Wir Musical-Fans“ haben den Sänger, Tänzer, Schauspieler und „Musical-Allrounder“ Alexander Plein in Wien getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt.

Alexander ist in Düsseldorf geboren und absolvierte 2016 sein Diplom zum Musicaldarsteller an der Stage School in Hamburg. Aktuell ist Alexander in verschiedenen Projekten tätig (u.a. Abendspielleiter bei „ANNIE – Das Musical“ – mit Uwe Kröger, Kevin Tarte, Hannes Staffler) und seit kurzem auch Stv. Künstlerischer Leiter und Mitglied des Vorstands mit Fokus auf „Auslandsangelegenheiten“ bei MOVING STAGE.Productions.

Du bist laut deiner Website „Sänger – Tänzer – Schauspieler“, übernimmst aber auch noch viele andere Rollen – Abendspielleiter, Regieassistent, Artist- und Produktionsmanager, Choreograf, Moderator und bist für Unternehmen wie zb Beiersdorf NIVEA, Tempo, En Vogue oder Mercedes Me bei Events und in der Werbung tätig – wie lässt sich das mit deinen jungen 23 Jahren alles unter einen Hut zu bringen?

Mir war es immer wichtig, beide Seiten zu verstehen – auf der Bühne als Künstler und hinter der Bühne als „Organisator“. Und es macht mir Spaß auch all diese neuen Herausforderungen kennenzulernen – zb neue Darsteller auf ihre Rolle vorzubereiten oder auch mal der „Problemlöser“ bei Musical-Produktionen zu sein. Und manchmal ergeben sich auch einfach neue Aufgaben ohne dass ich es plane – wie zb als Choreograf für NIVEA Events engagiert worden zu sein. Wichtig ist mir immer die Begeisterung für meine Arbeit zu haben, egal ob auf der Bühne, hinter der Bühne, bei Film-Drehs oder im Tonstudio bei der Aufnahme von Werbespots.

Und welche ist deine liebste Rolle? Vor der Bühne oder lieber hinter der Bühne?

Ich möchte die Frage gerne auf „Wie sieht mein perfekter Tag aus“ ändern. Und das wäre z.B. 1 Std im Tonstudio (für einen Werbespot oder ein Hörspiel), dann 3 Std kreative Arbeit als Choreograf oder neue Konzepte schreiben, dann 2 Std Chillen und am Abend auf die Bühne als Darsteller.

Ist dein junges Alter eigentlich ein Thema in der Zusammenarbeit mit anderen? Stichwort „Wie setzt du dich durch“

Es geht gar nicht ums „durchsetzen“ und das Alter ist auch komplett egal. Es geht immer um Menschen, gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung – dann klappt die Zusammenarbeit auf Augenhöhe wunderbar. Und wichtig ist auch, dass andere merken, dass ich Ahnung von den Dingen habe, die ich tue und ich nehme meinen Job auch wirklich Ernst. Mit klarer Kommunikation und dem gegenseitigen Respekt klappt die Zusammenarbeit dann wunderbar.

Du hast jetzt auch eine neue Aufgabe als stellvertretender künstlerischer Leiter mit Fokus „Ausland“ im „Moving Stage Vorstand“. Was gibt´s da für dich zu tun?

Hier geht es einerseits darum, spannende neue Stoffe, die möglichst noch nicht oder noch nicht im deutschsprachigen Raum zu sehen waren, zu uns zu bringen. Außerdem – wie du sagst – die „Auslandsangelegenheiten“ – da geht es darum namhafte Profis v.a. aus dem anglo-amerikanischen Raum zu eigenen „Moving Stage“ Masterclasses und Workshops zu bringen und auch gemeinsam Produktionen auf die Beine zu stellen. Diese Aktivitäten sollen einerseits in Wien, aber auch in deutschen Städten wie Hamburg oder Berlin weiter ausgebaut werden.

Unabhängig von meiner Tätigkeit bei Moving Stage beginne ich derzeit auch bei der Neuentwicklung eines Musicals mitzuarbeiten, indem ich die Hauptfigur mitgestalte.

Mit „STRAIGHT“ bist du nun bei einer Off-Produktion dabei. Die Europapremiere ist am 9. März in Wien und dann geht´s auch noch nach Hamburg und Berlin. Off-Produktionen haben im deutschsprachigen Raum ja immer so den Touch von „Amateurtheater“. Was meinst du dazu?

„Nicht was oder wo man spielt ist wichtig, wenn es jemand sehen will, dann ist es wichtig und richtig.“

Off-Theater ist definitiv nicht Amateurtheater. Es ist daher besonders wichtig, eine Off-Produktion professionell aufzusetzen. Mittlerweile spielen immer mehr etablierte und namhafte Musicaldarsteller in Off-Produktionen, weil sie einfach etwas Neues kennenlernen wollen und die Herausforderung suchen.

Bei darstellender Kunst geht immer darum was das Stück und was man selbst vermitteln möchte – egal ob es „Mainstream“ oder eine Off-Produktion ist. Aber gerade Off-Produktionen sind einzigartig, denn diese Stücke kennen nur wenige und man hat die Chance ein noch unbekanntes Stück noch bekannt zu machen. In den USA haben Off-Produktionen ein deutlich besseres Image als in Europa. Und ich sehe es auch als meine Aufgabe, Off-Produktionen im deutschsprachigen Raum bekannter und beliebter zu machen. Denn Off-Musicals oder Off-Theaterinszenierungen können sich meist nicht hinter großen Kulissen verstecken und scheinen daher oft näher am Publikum zu sein. Inhaltlich suchen Off-Stücke immer die volle Aufmerksamkeit der Zuschauer und wollen nicht einfach nur unterhalten. Das verleiht dem ganzen einen sehr „ehrlichen“ Charakter. Man soll auch für sein eigenes Leben etwas mitnehmen können und ich bin mir sicher, dass Off-Produktionen durch die Themen, die sie behandeln, einen positiven Effekt auf unsere Gesellschaft haben. Schon in der Schule sollte „Kunst und Kultur“ seinen Stellenwert bekommen, denn gerade unserer Jugend soll in dieser schnelllebigen Zeit von Smartphones, Digitalisierung und Social Media Hype die Möglichkeit gegeben werden, etwas Neues kennenzulernen – und vielleicht lässt sich damit auch der eine oder andere neue Musical- und Theater-Fan gewinnen.

Ein recht spannendes Projekt, bei dem du auch dabei bist, ist „Das tote Pferd von Plön – Deutschlands erste Musical-Webserie“. Was ist dieses Format genau und welche Aufgaben hast du bei dieser Produktion?

Es ist eine Webserie, bei der namhafte Musicaldarstellerinnen und -darsteller mitwirken und die teilweise über Crowdfunding und Sponsoren finanziert wird. Ich selbst bin Mitglied des Produktionsteams und für die Drehkoordination verantwortlich. Dieses Jahr ist Premiere und ich bin schon neugierig wie diese Produktion beim Publikum ankommt – jedenfalls auch für mich ein besonders spannendes Projekt und eine völlig neue Aufgabe.

Du bist ja auch auf der MS EUROPA für Hapag-Lloyd Cruises unterwegs. Ein Traumjob und mehr Urlaub oder doch anstrengender als man sich denkt?

Ich hatte eine unglaublich tolle Zeit auf der MS EUROPA. Wir waren knapp einen Monat mit einem Tanzensemble von Myanmar nach Dubai unterwegs. Das besondere an der EUROPA ist, dass sie auch Gastkünstler für einen kurzen Zeitraum an Bord holen. Das war perfekt für mich um das ganze einmal kennenzulernen und ich würde es immer wieder gern machen, denn natürlich sieht man auch sehr viel von den Zielen, die man anfährt. Derzeit sehe ich mich allerdings nicht für ein halbes Jahr oder sogar noch länger auf einem Kreuzfahrtschiff.

Du bist jetzt auch immer wieder mal bei Musical-Konzerten auf der Bühne – zb bei den „LivingALabel Concerts“ im Spektakel in Wien. Wie ist diese Erfahrung mal nicht in einem Stück eine Rolle zu spielen, sondern als Solokünstler auf der Bühne zu stehen.

Das macht schon Spaß, auch wenn es für mich etwas Neues war, mal keine Rolle zu spielen, sondern als Alexander auf der Bühne zu stehen. Man ist ja dann doch mehr die private Person.

Wie gehst du eigentlich mit deinem privaten Charakter und deinem „Stage Character“ um – ist der private Alexander ein komplett anderer Mensch?

Klar gibt es eine Trennung zwischen Privat und Beruf. Mir ist aber wichtig, dass ich authentisch bin und nicht komplett ein anderer Mensch werde, wenn ich im Job bin – ich glaube das geht auf die Dauer auch gar nicht und wäre echt anstrengend.

Und was hältst du vom Social Media Hype? Muss man da unbedingt mitmachen?

Klar sind die eigene Vermarktung und Social Media Kanäle wichtig. Aber meinen Musical-Kolleginnen und -Kollegen sage ich immer „Zeigt Mut zur Hässlichkeit!“. Ich persönlich mag es nämlich lieber authentisch als diese „geschönten“ Fotos auf Instagram. Außerdem habe ich auch einen privaten Social Media Account, nicht um vor Fans etwas zu verbergen, sondern um meinen Freunden das Gefühl zu geben, dass sie etwas Besonderes sind und sie zusätzliche Inhalte von mir sehen.

Wir dürfen schon ein kleines Geheimnis verraten: Mitte Mai wirst du im Theaterpalast Bonn in „Divas“ dabei sein. Was kann das Publikum dabei erwarten?

Divas wird eine Revue mit echten Kerlen. Das Ensemble rund um die Familie Malente wird dabei allerdings vom Choreographen auf High-Heels gestellt. Es wird auf jeden Fall eine Show voll Glitzer und Strass – und weil ich keine Höhenangst habe, habe ich auch keine Angst vor den Heels, die schwindelerregend hoch sein werden. Kurz gesagt es wird spektakulär und super komisch. Außerdem freue ich mich sehr auf die Location: Ein wunderschönes restauriertes belgisches Spiegelzelt. Also auch wieder etwas ganz Neues für mich.

Du bist in letzter Zeit öfters in Wien. Warst du in Wien auch selbst schon in Musicals und Theaterstücken?

Ja, ich war in „I am from Austria“ – ein sehr cooles Musical. Super unterhaltsam, kurzweilig und urkomisch. Und ich mag die Musik, wobei ich zugeben muss, dass ich Rainhard Fendrich und seine Songs nicht kannte. Ich habe auch „Bodyguard“ besucht, war in der Oper im Theater an der Wien und im Theater in der Josefstadt. Und am 12.4. werde ich bei der Premiere von „Jesus Christ Superstar“ im Ronacher dabei sein – da freue ich mich schon darauf.

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Ich möchte mir diesen Mix an Tätigkeiten bewahren, weil es mir einfach mehr Spaß macht, Verschiedenes zu tun. Meinen freiberuflichen Raum möchte ich zukünftig beibehalten, aber eine Longrun-Produktion wäre schon mal interessant. Bei Longrun-Produktionen finde ich es spannend, trotz langer Laufzeit sich selbst bei jeder Vorstellung die Begeisterung zu erhalten und immer wieder neue Aspekte im Stück zu finden. Ich genieße es, dass ich in einem Job bin, bei dem es kein „9 to 5“ gibt. Klar sind es lange Arbeitstage, oft keine Feiertage und unregelmäßige Arbeitszeiten. Mich stört es auch nicht zu Weihnachten oder zu Silvester zu arbeiten, weil es schon etwas Wunderbares und Einzigartiges ist, für unbekannte Menschen solche Festtage zu gestalten und mit ihnen auch irgendwie gemeinsam zu feiern. Und ich freue mich auf neue Projekte im deutschsprachigen Raum, bei denen ich auch als Darsteller etwas zum Stück beitragen kann. Darsteller sind ja keine Marionetten, sondern die Inszenierungen werden immer öfters an die einzelnen Darsteller angepasst, so wird jede Produktion auch etwas Besonderes und nicht austauschbar.

„Wir Musical-Fans“ danken dir für das Gespräch und wünschen dir für deine Zukunft alles Gute.

Christoph Seidl