Markus Hauptmann, Autor des Hip-Hop Horromusicals „Haus des Horrors“ im Interview mit „Wir Musical-Fans“.

Markus Hauptmann wurde am 26. Juli 1970 in Aurich geboren und ist das jüngste von drei Geschwistern. Eigentlich unterrichtet er Geschichte, Politik und Mathematik. Er lebt auf einem alten Hof in der Nähe von Bremen.

Das Musical „Haus des Horrors“ ist das erste Hip-Hop Horrormusical. Warum passen Hip-Hop und Horror aus deiner Sicht so gut zusammen?

„Welcome to the place where all the creatures meet. Like Dr.Jekyll and Mr.Hyde, the Addams family and the monster five“ waren Textzeilen, die ich nie wieder vergessen habe und die mich bei „Haus des Horrors“ inspiriert haben.

Rapmusik und Horrorfilme halten quasi unserer Gesellschaft den Spiegel vors Gesicht. Beide artikulieren unbewusste und nicht ausgesprochene Wünsche und Ängste.

Während sich Hip Hop um Machtfantasien dreht, beleuchten Horrorfilme die Gegenseite und entwerfen Machtlosigkeitsszenarien.

Du kommst beruflich eigentlich aus einem ganz anderen Bereich und „Haus des Horrors“ ist das erste Musical aus deiner Feder. Was war deine Motivation ein Musical zu schreiben?

Meine damalige Lebensgefährtin und ich haben häufig das Metropol Theater in Bremen besucht. Ich erinnere mich, dass wir Karten für Saturday Night Fever hatten und ich immer daran denken musste, wie wohl ein Musical über Prince ausschauen würde. Noch in derselben Nacht habe ich eine Liste mit Prince-Songs angelegt und am nächsten Tag einen Rohentwurf für ein Musical verfasst. Der erste Entwurf liegt noch immer in meiner Schreibtischschublade. Kurz darauf habe ich mit dem Horrorhaus angefangen, welches noch eine völlig andere Geschichte erzählte.

Die Musical-Story ist fertig und auch die Musik steht. Was sind nun deine nächsten Schritte und in welchen Bereichen suchst du noch Partner, um dein Musical bald auf die Bühne zu bringen?

Die berechtigte Frage ist ja, warum sollte jemand in ein Musical eines unbekannten Autors investieren. Warum sollte man das Drehbuch überhaupt lesen. Genau aus diesem Grund habe ich mich entschieden mein Drehbuch nicht einzuschicken, sondern über einen Teaser, über Print-Anzeigen und über eine Homepage zu promoten und somit Interesse zu wecken. Ich suche Produzenten, Theater, die den Mut haben in etwas Neues zu investieren: gruselig, schockierend und witzig zugleich.

Hörst du privat auch gerne Musicals oder gibt´s da andere Musikstile, die dir gefallen?

Die Songs von Rocky Horror sind großartig, aber ich bin mit allen Arten von Musik aufgewachsen. Mein Vater brachte immer wieder Schallplatten mit nach Hause … von den Beatles bis Stevie Wonder. Das erklärt auch meine Liebe zu den verschiedensten Musikrichtungen. Ich höre alles, von RnB bis Pop, von Rock bis Reggae, Jazz und Klassik. Und vor allem Prince.

Und welches ist dein Lieblingsmusical?

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen, einige Stunden entfernt vom nächsten Theater. Zudem verfügten meine Eltern nicht über die finanziellen Möglichkeiten für uns Kinder Musicalkarten zu erwerben. Meine frühesten Erinnerungen, die ich daher habe, sind die Musicalverfilmungen von Rocky Horror und der West Side Story aus dem Jahr 1961 mit Natalie Wood. Ich war noch ein kleiner Junge und damals gab es nur drei Fernsehprogramme und irgendwann kam meine Mutter in das Zimmer von meinem Bruder und sagte, dass es jetzt Zeit ist für mich ins Bett zu gehen. Mein Bruder hat mir dann am nächsten Tag erzählt, wie die Geschichte ausgegangen ist.

Magst du Horrorfilme besonders gerne – das wäre beim „Haus des Horrors“ Autor ja nachliegend – oder gibt´s andere Filmgenres, die du dir gerne ansiehst?

Ich schaue Horrorfilme nicht so häufig, wie man vielleicht denken möchte. Die beiden letzten Horrorfilme, die ich gesehen habe, waren „The Dead Don´t Die“ von Jim Jarmusch und „Zombieland“. Großartiges Kino. Als kleiner Junge habe ich mir immer das Gruselkabinett des NDR angeschaut … Monster, Mumien, Mutationen. Ich mag Tarantino, aber im Grunde kann ich sagen, dass ich es einfach liebe ins Kino zu gehen. An einem Abend schaue ich „A Beautiful Mind“, am nächsten den Paten oder TENET. Und natürlich darf das Popcorn nicht fehlen. Mein Lieblingsfilm würde ich sagen, ist „Good Will Hunting“. Eine tolle Geschichte.

Schreibst du schon an neuen Musicals oder möchtest du dich jetzt mal voll auf die Realisierung von „Haus des Horrors“ konzentrieren?

Der erste Entwurf eines weiteren Drehbuches liegt bereits in der Schublade. Es erzählt die Geschichte von vier Menschen, deren Wege sich immer wieder kreuzen. So wie es ausschaut, könnte es sein, dass es das erste Musical ist, dass keine Jugendfreigabe erhält (lacht). Zudem schreibe ich aktuell mit einem Freund an Science Fiction-Kurzgeschichten. Und natürlich ist da immer noch das Prince-Musical.

Was ist dein Lebensmotto und warum?

Ich habe kein bestimmtes Motto, außer glücklich sein. Aber es gibt einige Zitate von Charlie Chaplin, die ich sehr treffend finde, z.B. „Macht brauchst Du nur, wenn Du etwas Böses vorhast. Für alles andere reicht Liebe, um es zu erledigen“.

Wir Musical-Fans sagen „Danke für das Gespräch“.

Christoph Seidl