„Wir Musical-Fans“ haben dem Musicaldarsteller Rory Six ein paar Fragen gestellt.

Rory Six - Credits: Andrea Peller
Rory Six – Credits: Andrea Peller

Rory Six wurde in Belgien geboren und begann 1998 seine Gesangsausbildung.

Er nahm Unterricht bei Pascale de Turck am Royal Ballet of Flanders und bei Edward Hoepelman und Antoinette Kouwenberg an der Fontys Stageschool / Brabantse Conservatorium Musiktheater in Tilburg.

Nach seinem Studium spielte Rory in der belgischen und niederländischen Tournee von „Romeo und Julia“ und war Solist in verschiedenen Musicalshows.

Es folgten Engagements u.a. in „Les Misérables“ im Theater des Westens in Berlin und in der Schweizer Uraufführung in St. Gallen, in „Elisabeth“ im Apollo Theater in Stuttgart und im Raimundtheater in Wien, in Frank Wildhorns „Dracula“ beim Musical-Festival in Graz, in „Jekyll & Hyde“ bei den Festspielen Bad Hersfeld, in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Rudolf – Affaire Mayerling“ im Raimundtheater in Wien oder in „The Full Monty“ bei den Festspielen Amstetten und am Deutschen Theater München.

Rory ist Leiter der Wiener Off-Bühne „Theatercouch“, die mit 50 Sitzplätzen sicherlich eine der kleinsten Musical-Bühnen in Wien ist. Einige namhafte Musicaldarsteller/- innen wie Pia Douwes, Wietske van Tongeren, Annemieke van Dam, Katja Berg, Ann Mandrela oder Drew Sarich traten schon in der Theatercouch auf und die Theatercouch ist in der Wiener Musicalszene mittlerweile schon mehr als ein Geheimtipp. Außerdem ist Rory auch Komponist – u.a. der Musicals: Wenn Rosenblätter fallen, Luna, Ein wenig Farbe, Die Mädchen. Von Oostende oder Weihnachtsengel küsst man nicht, die alle erfolgreich in der Theatercouch in Wien gespielt wurden.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattet du einen anderen Berufswunsch?

Ich habe mit 10 Jahren Cats gesehen und das wusste ich: das möchte ich auch irgendwann mal machen. Also ja.

Du hast in Belgien und den Niederlanden deine musikalische Ausbildung gestartet. Was nimmst du aus diesen „Lehrjahren“ mit?

Ich glaube, dass ich in der Zeit viel gelernt habe über mich selbst und das mitnehme. Natürlich die Ausbildung habe ich dort gemacht – also meine Technik etc. habe ich auch mitgenommen.

Welchen Stellenwert hat das Musicalgenre in Belgien und den Niederlanden im Vergleich zu Deutschland oder Österreich?

Da ich fast nur im deutschsprachigem Raum gearbeitet habe, kann ich da nicht so viel dazu sagen. Da ich aus Belgien komme, kann ich es am besten vergleichen mit Belgien. In Belgien gibt es nicht wirklich einen Markt für Musicals. Wenn ein Musical spielt dann meistens nur für maximal 2 Monate und das war es dann. Viele meiner Kollegen aus Belgien müssen dann auf andere Berufe ausweichen, um überhaupt zu leben, so etwas ist im deutschsprachigen Raum nicht der Fall. Dadurch, dass es in Deutschland und Österreich so viele subventionierte Theater gibt, die Musicals machen, ist das Genre einfach viel präsenter als z.B. in Belgien.

Rory Six - Credits: Andrea Peller
Rory Six – Credits: Andrea Peller

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darsteller?

Für mich war es am Anfang sehr schwierig so weit weg von der Familie und meinen Freunden zu sein. Da ich jetzt schon fast 15 Jahre im Ausland wohne, habe ich mich inzwischen daran gewöhnt.

Die Sprache war am Anfang auch eine Herausforderung (da Deutsch nicht meine Muttersprache ist). Einen Rhythmus zu finden wie ich meine Energie einteile, um die Shows spielen zu können. Also eigentlich nicht wirklich die Arbeit als Darsteller, sondern alles was drum herum passiert.

Was würdest du jemanden raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Ich sage immer: Nur wenn du aus voller Überzeugung und von ganzem Herzen weißt, dass du Musicaldarsteller/-in werden möchtest, dann tue es. Es warten mehr Enttäuschungen und Niederlagen auf dich als du jemals denken könntest, aber dafür sind die Erfahrungen die du machst mit keinem anderen Beruf zu vergleichen.

Du wirst Auditions machen und vielleicht kriegst du bei 100 Auditions 1 Job.

Versuche erst bei einer staatlichen Schule aufgenommen zu werden. Diese Schulen haben den besten Ruf und sorgen dafür, dass du die richtigen Leute kennen lernst.

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Glück. Talent. Durchhaltevermögen. Leidenschaft. Kraft.

Musicaldarsteller vereinen ja den Mix aus Gesang, Schauspiel und Tanz. In welchem dieser drei Bereiche fühlst du dich am wohlsten?

Ich fühle mich am wohlsten beim Gesang und Schauspiel. Tanzen ist nicht meine Stärke aber schau, trotzdem mache ich jetzt bei Cats mit …

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Rory steckt in jeder Rolle?

Ich glaube es steckt sehr viel Rory in den Rollen, die ich spiele, da ich immer noch ich bin und die Emotionen, die ich spielen muss, aus mir holen und finden muss. Daher glaube ich schon, dass sehr viel von mir zu sehen ist. Natürlich versucht man jede Rolle anders ein zu färben, aber das sind Farben und Emotionen, die sowieso in mir drinnen stecken. Ab und zu sind die Rollen näher an mir dran, und ab und zu weiter weg. Bis jetzt habe ich es aber immer so erlebt: immer, wenn ich eine Ausschreibung gelesen habe und gedacht habe: „das bin ich“, dann habe ich komischerweise die Rolle auch bekommen. Also muss doch einiges von mir drinnen stecken.

Du bist seit Herbst 2019 in der Wiener Produktion von CATS im Ronacher als „Alt Deuteronimus“ zu sehen. Was ist so faszinierend an CATS und was fasziniert dich an deiner Rolle des Alt Deuteronimus besonders?

Wie gesagt, Cats war mein erstes Musical. Cats ist der Grund warum ich Musicaldarsteller geworden bin. Es hat halt für mich noch immer einen besonderen Wert. In dieses Musical werden auch Tanz, Gesang und Schauspiel mit einander verbunden wie in fast keinem anderen Musical. Die Rolle von Alt Deuteronimus fasziniert mich wegen seiner Güte, seiner Wärme. Das ist was sehr Schönes zum spielen. Er ist deren Oberhaupt, aber er ist trotzdem nicht überheblich und sehr spirituell. Das finde ich sehr schön an dieser Rolle. Auch gesanglich ist die Rolle eine große Herausforderung, da man alle Facetten seiner Stimme benutzen muss.

Rory Six - Credits: Andrea Peller
Rory Six – Credits: Andrea Peller

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Ich glaube, dass ich „endlich“ im Alter bin, wo ich in Frage komme für die Rollen die ich immer gerne spielen wollte. Wie z.b. Jean Valjean, Javert, Phantom, … – also doch die eher klassischen Rollen.

Als junger Darsteller bist du meistens dort für die „Liebhaber“-Rollen. Die sind zwar auch schön zum spielen aber ich finde die älteren Rollen haben etwas mehr Tiefe und das fasziniert mich daran.

Du bist ja nicht nur Darsteller, sondern auch Komponist und Theaterdirektor der Wiener Bühne „Theatercouch“. Welche dieser Rollen ist dir dabei am liebsten oder ist gerade die Mischung das spannende?

Ich würde sagen meine größte Leidenschaft ist das Schreiben von neuen Stücken. Das ist das, was mich künstlerisch am meisten erfüllt. Nicht, dass ich nicht gerne auf der Bühne stehe, aber ich mag den Prozess wie ein Stück entsteht. Eine Rolle ist vergänglich, ein Stück bleibt. Wenn man ein Stück schreibt, ist es wie ein Baby. Sie sind alle was besonderes. Auch wenn das eine vielleicht mehr Erfolg hat als das andere.

Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht gerne auf der Bühne stehe. Das erfüllt mich auch, aber auf eine andere Art und Weise. Als Darsteller führe ich das auf, was der Regisseur/Choreograf von mir verlangt, als Autor kann ich selbst kreativ sein.

Was möchtest du in 10 Jahren gerne machen? Bist du dann noch auf der Bühne oder machst du vielleicht einen komplett anderen Job?

Das was ich jetzt mache wäre das Idealste. Eine Kombination aus Darsteller, Autor, Produzent.

Rory Six - Credits: Andrea Peller
Rory Six – Credits: Andrea Peller

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Ich persönlich finde es schade, dass man sich als Darsteller damit auch beschäftigen muss. Ich bin kein großer Fan von Social Media, weil es nur noch darum geht: Wie kann ich ein Foto machen? Welches Foto? Warum dieses Posting?

Aber es ist ein Teil von unserem Beruf geworden und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich als Darsteller da noch eine Menge zu „lernen“ habe.

Ich bin ein sehr introvertierter Mensch, der halt auf der Bühne steht. Und deshalb ist es für mich persönlich immer schwierig welchen Teil meines Lebens ich der Öffentlichkeit zeigen möchte.

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musicaldarsteller, aber auch als Komponist und Theaterdirektor?

Das ist wie gesagt ein Lernprozess für mich. Aber ich bin dran. Weil es ist wichtig.

Für mich persönlich ist es wichtiger mich als Person zu vermarkten. Da ich ja nicht nur Darsteller bin, sondern all die anderen Dinge auch.

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Das finde ich eine schwierige Frage, die ich aber versuche ehrlich zu beantworten. Fans sind für die Shows wichtig, weil sie immer für eine gute Stimmung sorgen.

Jedoch muss ich sagen, dass ich es öfters schade finde, dass Fans meistens Fans von Personen sind und nicht von dem Genre Musicals. Ich sehe es sehr gut bei mir in der Theatercouch. Da gibt es Stücke, die nur verkaufen, weil bekannte Leute mitspielen. Wenn ich das gleiche Stück mit unbekannten Darstellern spielen würde, müsste ich extrem viel Geld in Werbung und Marketing stecken, um überhaupt einen Bruchteil des Publikums zu erreichen. Das ist etwas, was ich sehr schade finde.

Warst du früher auch mal Fan von einer/m Musicaldarsteller/-in?

Nein. Ich würde sagen dass ich „Musical“ mag. Ich liebe das Genre. Aber ich bin kein Fan von Darstellern. Ich bin bis jetzt einmal in ein Musical gegangen, weil ich eine Darstellerin sehen wollte (Patti Lupone in Company, London). Aber das war auch, weil ich diese neue Version des Stückes sehen wollte… Wie gesagt, mich interessieren die Stücke und nicht wer spielt.

„Wir Musical-Fans“ sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Rory auf Facebook und Instagram.

Rory Six - Credits: Andrea Peller
Rory Six – Credits: Andrea Peller

Christoph Seidl