Wir Musical-Fans haben der jungen Musicaldarstellerin Helena Lenn ein paar Fragen gestellt.

Helena Lenn stammt ursprünglich aus dem Frankfurter Raum und zog für ihr Musicalstudium nach Wien.

Dort wirkte sie in den deutschsprachigen Erstaufführungen von „First Date“ und „The Trail To Oregon“ mit. Am Vienna’s English Theater stand sie als Rose in „Dogfight“ auf der Bühne, wofür sie den goldenen Papageno Award erhielt und spiele dort auch schon die Tochter Natalie in „Next To Normal“. Beim Verein BROADWAY ENTERTAINMENT war sie in Produktionen wie „Dracula“ (Lucy), „Shrek“ (Drache) und zuletzt als Hedda Hopper in „Chaplin“ zu sehen.

Bei „Big Fish“ war sie als Sandra Tempelton und bei „Green Day’s American Idiot“ als „Heather“ auf der Deutschlandtournee mit dabei dabei.

Im Sommer 2019 stand Helena als Magenta in der „Rocky Horror Show“ und als Teil des Ensembles von „Shakespeare In Love“ bei den Clingenburg Festspielen auf der Bühne.

Als Solistin war sie bei Konzerttouren und mit ihrer Gruppe“ Two and a half Lenns“ unterwegs.

Weiters war Helena u.a. zu sehen als Mitzi in der Tour von Bibi & Tina – die verhexte Hitparade durch Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der Bühne, als Tabaqui im Dschungelbuch und als Schwester Mary Robert in Sister Act bei den Burgfestspielen Bad Vilbel sowie als Perla und Cover von Sandy Checks in der deutschsprachigen Erstaufführung von Spongebob – Das Musical.

In der Spielzeit 2023/24 war sie als Kate Murphy und Marian Thayer in TITANIC am Theater Erfurt und als Crystal in Der kleine Horrorladen am Schauspiel Chemnitz zu erleben.

In FOOTLOOSE – DAS MUSICAL ist sie 2024 in der Rolle der Ariel Moore auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Das Interview wurde im September 2019 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattet du einen anderen Berufswunsch?

Ich hatte mal überlegt eine Ausbildung zum Make-Up Artist zu machen und lieber mehr hinter der Bühne zu arbeiten. Aber etwas mit Theater musste es tatsächlich schon immer sein.

Du machst deine Musicalausbildung am “AMP – International Academy Of Music And Performing Arts Vienna” (ehemals „JAM MUSIC LAB – Private University for Jazz and Popular Music Vienna“). Was nimmst du aus deiner Ausbildung mit?

Ich nehme auf jeden Fall ganz viele wundervolle Momente und Erinnerungen mit. Ich finde dieses Studium ist ein sehr emotionaler Ritt und auch ein „sich selbst kennen lernen“. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich tolle Lehrer hatte, die mich dabei unterstützt haben. Außerdem trifft man so viele außergewöhnliche Menschen, die ich heute meine Freunde nennen darf.

Helena Lenn - Credits: Matheo_Radeck

Helena Lenn – Credits: Matheo_Radeck

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Ich stehe ja noch ziemlich am Anfang meiner Karriere, weshalb ich natürlich noch nicht so viel Erfahrung habe.

Aber mir ist immer sehr wichtig offen für alles zu sein. Man weiß nie, wo sich eine tolle Chance ergeben könnte. Und natürlich darf man niemals aufgeben!

Aller Anfang ist schwer. Und es wird nicht immer alles so laufen, wie man es sich vorgestellt hat.

Aber wenn man weiterarbeitet und an sein Ziel oder seinen Traum glaubt, wird es sich irgendwann auszahlen. Zumindest glaube ich daran!

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Helena steckt in jeder Rolle?

Neue Persönlichkeiten kennen zu lernen und sich in andere Personen reinzuschlüpfen, liebe ich. Es macht einfach unglaublich Spaß Rollen zu erkunden. Trotzdem denke ich, dass jeder Darsteller seinen persönlichen Touch mitbringt. Gerade das macht ja das Live-Theater so besonders. Es ist nie genau gleich.

Deshalb würde ich sagen, dass ein bisschen Helena in jeder meiner bisherigen Rollen zu erkennen war 😉

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Uh… Ich liebe tatsächlich das Musical „Wicked“. Da würde ich wirklich gerne mal mitwirken. Eine meiner absoluten Traumrollen wäre ‚Jenna’ in „Waitress“!

Du bist aktuell bei „Kangaroo Entertainment“ als Public Relations Managerin & Darstellerin und bei „Broadway Entertainment“ als Make-Up Artist & Darstellerin. Was magst du lieber – die Arbeit vor oder hinter der Bühne? Oder ist der Mix einfach das spannende?

Wie oben erwähnt, hat mich der Beruf des ‚Make-Up-Artist’ schon immer sehr gereizt, weshalb ich sehr glücklich bin, dass ich beim Verein Broadway Entertainment Erfahrung sammeln kann. Auch bei Kangaroo Entertainment durfte ich schon viele Aufgaben übernehmen, die ich normal als Darstellerin nicht hätte.

Der Mix macht definitiv viel Spaß und lässt einen viele Erfahrungen sammeln – und vielleicht auch die Arbeit hinter der Bühne besser verstehen.

Helena Lenn - Credits: Peter Harbauer

Helena Lenn – Credits: Peter Harbauer

Was möchtest du in 10 Jahren gerne machen? Bist du dann noch auf der Bühne oder machst du vielleicht einen komplett anderen Job?

Also, wenn ich es mir aussuchen könnte würde ich gerne weiterhin auf der Bühne stehen.

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Ich denke, dass man heutzutage viele Menschen über Social Media erreichen kann. Zwingend notwendig ist es nicht, aber es hilft natürlich sich selbst etwas zu präsentieren und „der Welt zu zeigen“.

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musicaldarstellerin?

Gerade als junge Darstellerin ist es schon wichtig sich ein bisschen online zu präsentieren. Allerdings bin ich da wirklich keine Expertin. Ich nutze Instagram z.B. relativ privat, um einen Einblick in mein Leben zu geben. Ich poste sozusagen das, was mir selbst Spaß macht und gefällt.

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Ich glaube das gesamte Business lebt von den Fans! Diese tollen Menschen, die zu Shows kommen und uns Darsteller unterstützen. Obwohl ich noch wirklich am Anfang stehe, habe ich schon so unglaublich liebe Worte von mehr oder weniger fremden Menschen gesagt bekommen. Das ist ein wundervolles Gefühl. Das ganze Musical Business ist wohl eine große Familie und die Fans gehören dazu!

Bist du auch Fan von einer/m Musicaldarsteller/-in?

Absolut! Ich bewundere viele Musical Darsteller. Die Amerikanerin Laura Osnes zum Beispiel. Sie ist eine wirklich tolle Darstellerin.

„Wir Musical-Fans“ sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Helena Lenn auf Facebook und Instagram.

Das Interview wurde im September 2019 geführt.

Helena Lenn - Credits: Matheo_Radeck

Helena Lenn – Credits: Matheo_Radeck

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Wir Musical-Fans haben der Musicaldarstellerin Jessica Trocha ein paar Fragen gestellt.

Jessica Trocha wuchs im Ruhrgebiet auf und sammelte am Theater Marl erste Erfahrungen auf der Bühne.

Sie blieb ihrem Kohlenpott treu und studierte an der Folkwang Universität der Künste Schauspiel, Gesang und Tanz und gastierte während ihres Studiums am Theater Bonn und Theater Dortmund. Dort war sie bereits in der Partie der Graziella in WEST SIDE STORY zu erleben und kehrte in den Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 als Nellie in JEKYLL & HYDE auf die Bühne des Opernhauses zurück.

Jessica gewann gemeinsam mit ihrem Kollektiv den Folkwang Preis 2019 für ihre erste Stückentwicklung des Musicals „Wo man Feststeck

Im Sommer 2020 wäre sie bei den Freilichtspielen Tecklenburg in SISTER ACT und DER BESUCH DER ALTEN DAME auf der Bühne gestanden. Leider mussten diese Produktionen Covid-19-bedingt auf 2021 verschoben werden. Die durch die Pandemie entstandene Zwangspause nutze Jessica und drehte ihren ersten Kurzfilm KAMMERJAGD in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar.

Das Interview wurde im Oktober 2020 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattest du einen anderen Berufswunsch?

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, aber bei meinem letzten Umzug habe ich durch ein altes Freundschaftsbuch aus der Schulzeit geblättert und da wussten damals schon alle, dass ich unbedingt auf die Bühne möchte. Also denke ich ja.

Du hast 2020 deine Musicalausbildung an der Folkwang Universität der Künste in Essen abgeschlossen. Was nimmst du aus dieser Ausbildung mit?

Du kommst an die Uni als junger, orientierungsloser Mensch und wirst geschliffen und poliert und ständig mit dir selbst konfrontiert bis du irgendwann nach vier Jahren glaubst zu wissen, wer du bist. Dann landest du im sogenannten „Draußen“ und beginnst wieder komplett von vorne. Um die Frage also zu beantworten: aus diesem Studium nehme ich mit, das Leben als Prozess zu sehen und keine Angst vor innerlichen und äußerlichen Veränderungen zu haben.

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darstellerin?

Meiner Angst und meinen Selbstzweifeln gegenüber zu treten und meinem inneren Schweinehund laut und deutlich „Scheiß drauf, du kannst das!“ zu sagen.

Was würdest du jemanden raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Die beste Entscheidung!

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Ich denke nicht, dass es das eine Erfolgsrezept gibt, vor allem weil jeder Mensch Erfolg individuell definiert. Wenn ich aber daran denke, was mir geholfen hat und hilft, ist es, sich nicht zu sehr einzuschränken, sondern sich in vielfältige Projekte zu stürzen. Was sonst natürlich absolut zum Erfolg dazugehört ist Freundlichkeit gegenüber dem gesamten Kollegium. Niemand arbeitet gerne mit Egomanen zusammen.

Musicaldarsteller vereinen ja den Mix aus Gesang, Schauspiel und Tanz. In welchem dieser drei Bereiche fühlst du dich am wohlsten?

Das wechselt je nach Tagesstimmung.

Du hast bisher nicht nur in Musicals gespielt, sondern warst auch auf der Theaterbühne zu sehen. Bist du trotzdem auf Musical fokussiert oder siehst du dich als Künstlerin mit einem breiten Betätigungsfeld von Musical über Theater bis zu Film/TV, Sprechertätigkeit oder Werbung?

Positionierung ist wichtig und nötig, in allen Lebensbereichen. Aber wohin mich mein künstlerischer Weg führen wird und was ich dann am Ende sein werde, weiß ich nicht. Ich kann mich aber durchaus mit dem Ausdruck Künstlerin identifizieren.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Jessica steckt in jeder Rolle?

Ich liebe es, sonst wäre es nicht mein Beruf. Die Welt aus einer anderen Perspektive, aus einer anderen Sicht zu erforschen, zu sehen ist immer aufregend. Ich lerne von jeder Rolle jedes Mal etwas Neues über mich selbst.

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Politische, feministische und lustige Frauenrollen.

Du hast vor deinem Musicalstudium auch Kulturwissenschaft studiert. Was konntest du aus diesem Studium mitnehmen und wie wichtig ist diese Studienerfahrung für deine persönliche und berufliche Entwicklung gewesen?

Also die ehrliche Antwort ist, dass ich beim ersten Vorsprechen an der Folkwang nicht angenommen wurde und mir dann einen Plan B überlegen musste. Deswegen kam ich auf Kulturwissenschaften in Dortmund, weil ich dort Musik- und Wirtschaftswissenschaftskurse belegen konnte. Im Grunde habe ich also Kulturmanagement studiert. Auch wenn mich das wissenschaftliche Arbeiten gelangweilt hat, hat es mich natürlich persönlich weitergebracht.

2019 hast du gemeinsam mit deinem Kollektiv den Folkwangpreis für die Musicalentwicklung „Wo man Feststeckt“ erhalten. Interessiert dich als Musicaldarstellerin denn auch die Arbeit vor bzw. hinter der Bühne oder war die Musicalentwicklung nur ein kleiner Ausflug im Zuge deiner Ausbildung?

Meinen ewigen Antrieb und meine Motivation ziehe ich aus dem Ehrgeiz, einen Teil dazu beizutragen, das Genre „Musical“ positiv mitzugestalten. Und da liegt es nahe, auch wenn ich nicht als Autorin ausgebildet bin, selber Stücke zu schreiben. Mich nervt der alltägliche Sexismus und die Darstellung der Frau, aber auch die Trivialität, mit der das Musicalgenre konfrontiert wird. Ich finde, dass es kein besseres Genre gibt, um Komödie und Drama zu verbinden und sich gleichzeitig politisch zu positionieren.

Du sprichst neben Deutsch, Englisch und Französisch auch muttersprachlich Polnisch – und außerdem Slawisch und Ruhrdeutsch. Hast du deine vielfältigen Sprachkenntnisse auch schon auf der Bühne verwenden können?

Klar!

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Das muss jede und jeder für sich selbst entscheiden. Ich finde es wichtig, aber hinterfrage es auch oft. Letztendlich ist es ein Netzwerk und eine Plattform mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten.

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musicaldarstellerin?

Na ja, als Selbstständige bin ich meine eigene Firma. Dazu gehört natürlich auch, dass ich mich vermarkten muss, um Jobs zu bekommen oder um zu verhandeln. Du musst deinen Wert kennen und dafür einstehen. Manche suchen sich eine Agentur, die das für dich dann erledigt. Das ist natürlich einfach, kostet aber Geld, was du gerade am Anfang deiner Karriere nicht hast. Ich jedenfalls nicht. Es ist natürlich nicht immer einfach, aber es gehört nun mal dazu.

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Lustige Frage! Ich weiß nicht genau, worauf die Frage abzielt, aber ich versuche sie mal so zu beantworten: Ich bin ein Bühnenmensch. Ich bin dafür ausgebildet, auf der Bühne zu stehen. Bühne ohne Publikum macht keinen Sinn. Dann würde keine Kommunikation, kein Dialog entstehen. Das Theater braucht also Menschen, so wie Menschen das Theater brauchen. Wenn daraus Fans werden, ist das doch eine schöne Bestätigung für beide Seiten.

Hast du einen Lieblingsfilm oder gibt´s mehrere Filme oder Genres, die du besonders magst?

Keine Filme, ich suchte Serien. Meine absoluten Favoriten sind zurzeit Fleabag, Russion Doll, Stranger Things, Dark, Sex Education, How to Sell Drugs Online (Fast)…

Und welcher Song ist dein Lieblingssong?

Auf Spotify laufen momentan bei mir in Dauerschleife: Watermelon Sugar von Harry Styles und Midnight Sky von Miley Cyrus. Ansonsten liebe ich die 60er und bin ein großer Fan von Nancy Sinatra.

Was ist dein Lebensmotto und warum?

Ich habe kein konkretes, kommt drauf an, was gerade so in meinem Glückskeks steht.

WIR MUSICAL-FANS sagen „Danke für das Gespräch“.

Mehr zu Jessica Trocha auf Instagram.

Jessica Trocha - Porträt - Credits: Felix Rabas

Jessica Trocha – Porträt – Credits: Felix Rabas

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Wir Musical-Fans haben dem deutschen Musicaldarsteller, Sänger und Tänzer Kevin Köhler ein paar Fragen gestellt.

Kevin Köhler absolvierte die Stage School Hamburg und hatte erste Auftritte am Altona-Theater in Hamburg, am Westfälischen Landestheater und spielte am Theater des Westens in Berlin den „Alfred“ in „Tanz der Vampire“. Im Jahr 2008 nahm Kevin an der ZDF-Show „Musical-Showstar 2008“ teil und sicherte sich dabei die Hauptrolle von „Rusty in „Starlight Express“. Danach spielte Kevin u.a. im Theater Neue Flora in Hamburg und im Apollo Theater Stuttgart im Disneys Musical „Tarzan“ und feierte in Disney´s „Der Glöckner von Notre Dame” sein 10-jähriges Bühnenjubiläum – dabei war er u.a im Theater des Westens in Berlin, im Deutschen Theater in München und im Apollo Theater Stuttgart auf der Bühne.

Das Interview wurde im Juli 2019 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattest du einen anderen Berufswunsch?

Ich wollte als Kind immer auf der Bühne stehen. Mit 11 Jahren sah ich Starlight Express und von da an war es Sonnenklar, was ich werden wollte.

Du hast deine Musicalausbildung an der Stage School Hamburg abgeschlossen. Was nimmst du aus deiner Ausbildung mit?

Verliere nie den Glauben an dich selbst. Arbeite an deinen Träumen und Wünschen. Wirklich sich durch zu kämpfen.

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darsteller?

Von den Fans akzeptiert zu werden. Ich spielte ja Tanz der Vampire vor Musicalshowstar. Ich kam frisch von der Schule. Und Tanz der Vampire hat eine Jahre lang bestehende Fanbase. Und ich kam als Ersatz für einen anderen Darsteller. Das ist nicht leicht. Kaum war ich auf der Bühne, ging es los in den Fanforen. Zum Teil hat es mich verletzt, was ich lesen musste. Aber natürlich war ich die ersten Shows super nervös. Ich habe noch nie vor einem Publikum von über 1000 Menschen gestanden. Das ist ganz am Anfang ein riesen Druck. Und negative Kommentare haben das in mir nicht leichter gemacht. Aber ich habe gelernt weiter zu machen und mich zu entwickeln. Wie bereits gesagt, ich kam frisch von der Schule und musste weiter Erfahrungen sammeln, da zählt nur positives Denken. Lass dich nicht durch Negativität von deinem Weg abbringen. Da habe ich erst wirklich gelernt für meinen Traum zu kämpfen. Weiter zu machen und dran zu bleiben. Das habe ich getan und nur so konnte ich wachsen. Und zum Glück konnte ich die positive Entwicklung an den Reaktionen erkennen.

Was würdest du jemanden raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Man darf nie vergessen, man ist einer von Vielen. Die Konkurrenz ist sehr groß. Manchmal muss man auch mit sehr persönlichen Kritiken zurecht kommen, weil der Regisseur vielleicht einfach deinen “Typ” nicht mag. Aber solang du ein Kämpfer bist und dich nicht selbst verlierst und das gewisse Talent mitbringst… Gib Alles! Und zeig ihnen was du kannst. Folge immer deinen Träumen. Stehe nie am Ende da und sage, “Ach, hätte ich doch mal!”.

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Habe ich mit der vorigen Frage eigentlich beantwortet. HAHA 🤣

Als Musicaldarsteller ist man ja oft unterwegs. Ist das für dich eher ein Vorteil oder würdest du einen fixen Wohnort bevorzugen?

Es gab Zeiten, da war ich gerne viel Unterwegs. Aber es gibt auch Zeiten, da ist man gern einfach mal Zuhause. Eine Basis finde ich in diesem Beruf immer sehr wichtig. Ich muss immer wissen wo ich hin gehöre.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Kevin steckt in jeder Rolle?

Es steckt immer ein kleines bisschen Kevin in jeder Rolle. Egal ob Terk, Rusty, Quasimodo oder Alfred. Man kann nur aus seinen eigenen Erfahrungen schöpfen und in sich selbst fühlen. Wenn jemand auf etwas reagieren muss, muss man sich immer fragen, was tut das mit mir? Habe ich so etwas ähnliches erlebt? Die Grundlage beginnt immer bei dir selbst. Und dann ist die nächste Frage… Was würde “Rusty” tun? Du, als Mensch, bist die Basis einer jeden Rolle. Von da aus baue ich auf.

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

“Frank Abagnale Jr.” aus “Catch me if you can” zum Beispiel. Die Songs finde ich Hammer zu singen. Ich mag den Style und die Rolle. “Mozart” wäre auch noch so ein Traum. Aber mal sehen was kommt.

Was möchtest du in 10 Jahren gerne machen? Bist du dann noch auf der Bühne oder machst du vielleicht einen komplett anderen Job?

Das kann ich noch nicht genau sagen. Ich mag es auf der Bühne zu stehen und ich weiß ich möchte es nicht missen. Ich mache auch meine eigene Popmusik. Ich mag es auch zwischendurch meine eigenen Geschichten zu erzählen. Das genieße ich zur Zeit sehr. Heißt aber nicht, dass ich nie wieder Musical spiele.

Wie entwickelst du dich als Musicaldarsteller/-in weiter? Nimmst du Gesangs-, Schauspiel- und Tanzunterricht oder besuchst du Workshops?

Klar. Man hört nie auf zu lernen. Auch ich nehme weiter Gesangsunterricht und versuche mich zu erweitern. Am Meisten lernt man allerdings in der Praxis, an Rollenarbeit. Mit jeder Rolle wächst man ein Stückchen weiter.

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Heutzutage super wichtig. Jeder Künstler hat so seine Form sich selbst zu promoten. Die Fans auf dem Laufenden zu halten. Ich finde es ein super Mittel. Und Notwendig. Gerade auch für Projekte außerhalb des Theaters.

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig sind Marketing und Kommunikation für Musicaldarsteller/-innen?

Nicht nur Musicaldarsteller… Jeder Künstler, jeder Sänger, Schauspieler, Tänzer… All diese Menschen sind ihr eigenes Produkt. Und jedes Produkt braucht eine Vermarktung. Ist doch toll, dass in der heutigen Zeit jedem dieses Mittel der Vermarktung geboten ist, und dass für sich nutzen zu können. Jeder Privatmensch hat Zugriff dazu, ist doch wunderbar. Jeder hat doch so sein eigenes Publikum.

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Fans die mich kennen, wissen, dass ich meinen Fans immer sehr offen gegenüber bin. Ich nehme mir, wenn möglich, immer sehr viel Zeit am Bühneneingang und Veranstaltungen. Ich denke das zeigt, “ja” Fans sind mir sehr wichtig. Es ist schön zu hören, wenn ich jemanden in einer Show emotional berühren konnte und sie dies mit mir teilen. Das freut mich immer sehr und gibt mir Kraft weiter zu machen und bei der Kunst zu bleiben.

Warst du früher auch mal Fan von einer/m Musicaldarsteller/-in?

Ja Starlight Express. Ich bin als Kind Rollschuh gefahren und habe mir vorgestellt ich fahre über diese Bühne. Ein Traum wurde geboren und ein Traum wurde wahr!

WIR MUSICAL-FANS sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Kevin Köhler.

Kevin Köhler - Credits: K. Köhler

Kevin Köhler – Credits: K. Köhler

Wir Musical-Fans haben der Musicaldarstellerin Sarah Zechner ein paar Fragen gestellt.

Sarah Zechner wurde in Judenburg in der Steiermark geboren und sammelte erste Bühnenerfahrung bei Gernot Kranners Musicalakademie Murtal.

Bereits 2010 zog sie nach Wien, wo sie den ersten Jahrgang der Oberstufe der Wiener Sängerknaben mit Schwerpunkt Vokalmusik besuchte. Nach bestandener Reifeprüfung absolvierte sie eine vierjährige Musicalausbildung an einem privaten Konservatorium in Wien.

Seit 2018 arbeitet Sarah für Theater mit Horizont, wo sie als „Dorothy“ in Der Zauberer von Oz, „Wendy“ in Peter Pan oder als „Lady Marian“ in Robin Hood auf Bühnen in ganz Österreich, Deutschland und der Schweiz zu sehen ist.

Seit 2016 ist sie Ensemblemitglied der KostProben im MuTh.

Das Interview wurde im Dezember 2020 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattet du einen anderen Berufswunsch?

Seit ich mich erinnere kann, wollte ich auf der Bühne stehen.

Mein Papa ist Musiklehrer und hat immer mit uns gesungen und musiziert, was mit Sicherheit meine Liebe zur Musik geweckt hat. Nach einem Besuch in der „Zauberflöte“ habe ich dann – schwer begeistert von der Königin der Nacht – beschlossen, dass ich Opernsängerin werden möchte.

Ganz so ist es dann doch nicht gekommen, denn als ich zwölf Jahre alt war, hat Gernot Kranner seine Musicalakademie Murtal gegründet. Dort durfte ich erste Bühnenluft schnuppern und mein Wunsch Opernsängerin zu werden ist zum Wunsch Musicaldarstellerin zu sein geworden.

Sarah Zechner - Credits: Marco Sommer

Sarah Zechner – Credits: Marco Sommer

Du hast deine Musicalausbildung in Wien absolviert. Was nimmst du aus deiner Ausbildung mit?

Während der Ausbildung ist man gezwungen sich sehr intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen. Egal ob man einen neuen Monolog erarbeitet, oder ein neues Lied, man entdeckt immer wieder neue Seiten an sich selbst und analysiert, was man denn besser machen könnte. Für mich war es ganz wichtig zu lernen, meine eigene Leistung kritisch zu betrachten, ohne dabei nur die Dinge herauszupicken an denen noch zu arbeiten war, sondern auch zu sehen, was sich schon verbessert hat. Ich durfte auch wunderbare Freundschaften schließen, die mir beigebracht haben, mich nicht verunsichern zu lassen wenn jemand anders etwas gut macht, sondern stattdessen von der Person zu lernen.

Was sind für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darstellerin?

Ich hatte das große Glück, direkt nach der Ausbildung ein Engagement zu bekommen, wofür ich unendlich dankbar bin. Die größte Schwierigkeit für mich war es zu erkennen, dass man oftmals zu Auditions garnicht eingeladen wird. Die Frage „Wie soll ich einen Job bekommen, wenn ich nirgends eingeladen werde“ hat mich sehr beschäftigt. Trotzdem überwiegt immer die Freude darüber, auf der Bühne stehen zu dürfen.

Was würdest du jemanden raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Ich denke, dass es wenn man wirklich für die Sache brennt, auf jeden Fall eine gute Entscheidung ist.

Trotzdem sollte man sich von Anfang an dessen bewusst sein, dass es sehr viele sehr gute Darsteller gibt und nicht immer so viele Jobs. Die Vorstellung, dass man direkt nach der Ausbildung von einem großen Theater engagiert wird, und durchgehend gut bezahlte Engagements hat ist zwar sehr schön, aber leider auch sehr unwahrscheinlich.

Ich habe mal einen Satz gelesen der mir sehr geholfen hat: „Du bist nicht weniger KünstlerIn, wenn du einen Job machst, um dir deine Kunst zu finanzieren.“ Solange man sich also dessen bewusst ist, dass man zwischen Engagements vielleicht auch beispielsweise einmal in der Gastronomie arbeiten muss, kann ich es nur empfehlen 🙂

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Ich glaube am wichtigsten sind die Liebe zum Beruf, Durchhaltevermögen und gute Nerven.

Musicaldarsteller vereinen ja den Mix aus Gesang, Schauspiel und Tanz. In welchem dieser drei Bereiche fühlst du dich am wohlsten?

Am wohlsten fühle ich mich mit Gesang und Schauspiel.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Sarah steckt in jeder Rolle?

Mir macht es total Spaß immer in neue Rollen zu schlüpfen. Ich kann dadurch immer wieder neue Seiten an mir entdecken und diese ausleben. Es steckt also immer ein bisschen von mir in jeder Rolle – manchmal sind das dann Seiten, die privat vielleicht nicht so hervorstechen und umso mehr Spaß macht es dann, diese auf der Bühne rauszulassen 🙂

Sarah Zechner - Credits: Aaron Jiang

Sarah Zechner – Credits: Aaron Jiang

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Meine absolute Traumrolle ist die „Sarah“ in „Tanz der Vampire“, weil es das erste Stück war, das ich in Wien auf der großen Bühne sehen durfte. Das hat mich damals sehr beeindruckt.

Ich habe die CD – als ich ca. zwölf war – rauf und runter gehört – sehr zum Leidwesen meiner Geschwister. Mein Bruder kann die meisten Lieder durch diese Zwangsbeschallung auch auswendig.

*lacht*

Wie entwickelst du dich als Musicaldarstellerin weiter? Nimmst du Gesangs-, Schauspiel- und Tanzunterricht oder besuchst du Workshops?

Ich nehme weiterhin Stunden, wann immer es sich ausgeht. Ich denke, es ist immer wichtig neues auszuprobieren, man hört ja nie auf zu lernen 🙂

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Ich glaube schon, dass Social Media einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Wenn Hauptdarsteller eine große Reichweite in den sozialen Medien haben, und über die Probenarbeit etc. posten, ist das natürlich eine tolle Werbung für eine Produktion. Ich persönlich nutze Social Media allerdings nur privat, ich poste je nach Lust und Laune.

Sarah Zechner - Credits: Marco Sommer

Sarah Zechner – Credits: Marco Sommer

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musicaldarstellerin?

Vermarktung ist für Darsteller sicher wichtig, immerhin will man ja sich selbst als Produkt verkaufen. Ich selber bin darin aber leider schrecklich schlecht. *lacht*

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Bei „Theater mit Horizont“ kommen hauptsächlich Schulen zu uns ins Theater, meine bisherigen Fans sind also im Schnitt sieben Jahre alt. Ich finde es super für Kinder zu spielen, weil sie das ehrlichste Publikum sind und sich noch voll und ganz in eine andere Welt entführen lassen. Wenn sie mitfiebern, den Bösewicht ausbuhen, jubeln wenn der Held gewinnt und nach der Vorstellung ganz aufgeregt nach einem Autogramm fragen, dann weiß ich, dass ich etwas richtig mache 🙂

Hörst du privat auch gerne Musicals oder gibt´s da andere Musikstile, die dir gefallen?

Ich höre höre privat sehr gerne Musicals, die ich noch nicht kenne und bin immer auf der Suche nach neuen Songs, an denen ich arbeiten kann. Ansonsten variiert das je nach Stimmungslage, da ist von 80er Jahren bis zu Deutsch-Pop alles dabei.

Und welcher Song ist dein Lieblingssong?

Auch das variiert je nach Stimmungslage. Aber einen Song der mich zurzeit immer total zum Tanzen bringt ist „Think about things“ von Daði Freyr. Ein weiterer Favorit ist „Manhattan“ von Sara Bareilles.

Was ist dein Lebensmotto und warum?

Ein wirkliches Lebensmotto habe ich nicht, aber ich bemühe mich immer, das Beste aus jeder Situation zu machen 🙂

„Wir Musical-Fans“ sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Sarah Zechner auf Instagram.

Sarah Zechner - Credits: Marco Sommer

Sarah Zechner – Credits: Marco Sommer

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Tanja Petrasek wurde in Wien geboren, ist in Niederösterreich aufgewachsen und war schon seit Kindheit mit der Musik verbunden – u.a. Finalistin des Kiddy Contest. Nach dem Abschluss ihres Studiums „Musikalisches Unterhaltungstheater“ an der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) im Jahr 2013 wirkte Tanja in zahlreichen Musicalproduktionen mit – u.a. Die Schöne und das Biest, Das Phantom der Oper, Cinderella, Artus Excalibur, Titanic, Tanz der Vampire oder Jesus Christ Superstar.

Zuletzt war Tanja Petrasek in einer weiblichen Hauptrollen in der Welturaufführung von Ralph Siegels Musical „Zeppelin“ im Festspielhaus Neuschwanstein zu sehen.

Neben ihren Bühnenengagements unterrichtet Tanja auch Gesang und übernimmt die musikalische Gestaltung von Events.

Das Interview wurde im Oktober 2019 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattest du einen anderen Berufswunsch?

Sängerin zu werden war von klein auf mein großer Traum, aber als Kind hätten mich keine zehn Pferde in ein Theater gebracht. Mittlerweile ist es genau umgekehrt! Ich bin sehr froh, dass ich da bin, wo ich gerade bin und habe im Laufe der Jahre gelernt, den Beruf mit all seinen schönen Momenten und Herausforderungen zu lieben und zu LEBEN.

Du hast im Jahr 2013 deine Ausbildung an der MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) abgeschlossen. Was nimmst du aus deiner Ausbildung mit?

So vieles. Aber das Wertvollste sind die Einsichten und Erfahrungen, die sich „technisch“ nicht erklären lassen. Man hat meine Kollegen und mich in unserer Individualität bestärkt und uns Mut gemacht, uns selbst in alle Richtungen auszuprobieren und ich traue mich seitdem auch viel mehr, meine Flügel weiter auszubreiten und mehr aus mir herauszugehen. Es ist ein stetiger Lernprozess.

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darstellerin?

Distanzen bei En Suite Produktionen im Ausland und die ersten („erfolglosen“) Castings, die einen ganz schnell auf den harten Boden der Realität geholt haben- wo man sich ja gerade noch so in der Sicherheit der Ausbildung gewogen hatte und dachte, dass man jetzt alles umreißen würde, würde man erst mal losgelassen 😉 Und der Steuerausgleich.

Tanja Petrasek - Credits: Rachel Tschepitsch

Tanja Petrasek – Credits: Rachel Tschepitsch

Was würdest du jemandem raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Prinzipiell sollte man natürlich seinem Herzen folgen – erst recht, wenn man auch mit dem nötigen Talent ausgestattet ist. Aber es wird natürlich nicht leichter in dieser Branche, da darf man sich nichts vormachen. Hätte ich eine Tochter/einen Sohn, die/der diesen Weg gehen wollte, würde ich sie/ihn genauso unterstützen, wie es meine Eltern für mich getan haben.

Einem angehenden Darsteller würde ich vielleicht ans Herz legen, nicht alles allzu ernst zu nehmen. Meine Kollegin und Freundin Anja Backus hat mir mal vor einer Vorstellung (vielleicht war´s meine Magda-Premiere?) in der Garderobe einen sehr guten Tipp gegeben (ich hör’s noch, als wär’s gestern gewesen): „Es ist nur eine Show, keine Operation am offenen Herzen.“

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Mut, Zuversicht und mindestens 57 weitere Standbeine.

Als Musicaldarstellerin ist man ja oft unterwegs. Genießt du das oder präferierst du einen fixen Wohnort?

Ganz klar: Fixer Wohnort! Ich bin viel und gerne unterwegs, aber auf Dauer aus Koffern zu leben, tut mir einfach nicht gut. Ich bin familiär sehr stark verwurzelt. Solange ich zwischendurch zuhause immer wieder Kraft und Energie tanken kann, bin ich ausgeglichen und glücklich.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Tanja steckt in jeder Rolle?

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass ich mutig sein darf (und auch soll!) und dass es richtig und wichtig ist, auf eigene Erfahrungen für ein Rollenstudium zurückzugreifen. Natürlich muss man sich parallel auch immer fragen: „Gut, so würde ich in dieser Situation agieren und reagieren. Gilt das auch für die Rolle?“ Und eine Figur mit dieser Mischung zum Leben zu erwecken, macht das Ganze sehr spannend.

Du hast in „Tanz der Vampire“ ja sowohl „Magda“ als auch „Rebecca“ dargestellt. Für welche der beiden Rollen hast du mehr Sympathien?

Ich bin immer noch so dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, diese beiden Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, zu verkörpern! Beide Rollen waren herausfordernd, aber bei „Magda“ kommt natürlich hinzu, dass man sich stimmlich mehr austoben kann – deshalb ein klarer Daumen hoch für den Vamp!

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Ich liebe starke Rollen. Elisabeth, Evita, Mrs. Johnstone in „Blutsbrüder“ – für diese 3 würde ich den Vertrag heute noch unterschreiben.

Du hast bei deinen besonderen Fähigkeiten „Bühnenfechten“ angegeben. In welcher Rolle hast du diese Fähigkeit schon gut brauchen können?

Das ist eine super Frage! Jahrelang auf dem Studienplan und tatsächlich erst einmal gebraucht und zwar in „3 Musketiere“, das 2010 auf der Felsenbühne Staatz aufgeführt wurde. Seitdem finden diese Skills nur noch bei der Hausverteidigung Anwendung bei mir.

Dolls & Guy - Credits: Rachel Tschepitsch

Dolls & Guy – Credits: Rachel Tschepitsch

Neben Musicaldarstellerin bist du auch als Hochzeitssängerin und mit dem Trio „dolls & guy“ unterwegs. Was davon machst du am liebsten?

Die Abwechslung macht’s aus! Ich bin froh, dass ich all meine Leidenschaften ausüben darf, alles unter einen Hut bringe und ich mich nicht entscheiden muss. Ich lebe für beide Projekte und manchmal stecke ich all meine Energie und Zeit in meine Tätigkeit als Hochzeitssängerin und dann erfordert „dolls & guy“ wieder meine ganze Aufmerksamkeit. Es ist ein wunderbares, sehr spannendes Wechselbad und beide Projekte sind wichtige Parts meiner Selbstständigkeit, die mich – im positivsten Sinne – auf Trab hält.

Wie entwickelst du dich als Künstlerin weiter? Nimmst du Gesangs-, Schauspiel- und Tanzunterricht oder besuchst du Workshops?

Es mag lustig klingen, aber ich lerne am meisten über und für mich, wenn ich unterrichte. Um einem Schüler/einer Schülerin Tipps geben zu können, muss man sich selbst genau kennen und beobachten. Und dabei kann ich für mich selbst sehr viel mitnehmen.

Was möchtest du in 10 Jahren gerne machen? Bist du dann noch auf der Bühne oder machst du vielleicht einen komplett anderen Job?

Ich kann mir beide Szenarien gut vorstellen. Singen werde ich immer – ich könnte gar nicht anders, aber ich habe mir vorgenommen, nur solange im Job zu bleiben, bis er mir keine Freuden mehr bereitet oder mich auslaugt. Solange ich aber alles so vermitteln kann, wie ich möchte, bleibe ich der Bühne auf jeden Fall erhalten.

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Ich denke, dass die Präsenz auf Social Media Plattformen für Künstler heutzutage unabdingbar ist. Es reicht nicht mehr aus, sich nur über eine Website zu repräsentieren. Ich denke, das ist deshalb so, weil man gerade bei Plattformen wie Facebook und Instagram das Gefühl bekommt, am Leben der Menschen teilhaben zu können. Da werden viel mehr private Bilder, Videos und Geschichten gepostet, als es auf einer herkömmlichen „Homepage“ angebracht wäre. Und das macht’s spannend. Dass das Leben nicht immer so verläuft, wie auf Facebook und Instagram vorgegeben, sei mal dahin gestellt 😉

Tanja Petrasek - Credits: Rachel Tschepitsch

Tanja Petrasek – Credits: Rachel Tschepitsch

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Künstlerin und Person?

Ich formulier’s mal so: Ich erkenne den Zeitgeist und gebe mein Bestes, meine Follower „bei Laune“ zu halten und poste auch immer wieder gerne Schmankerln aus meinem Leben – sowohl privat als auch beruflich. Aber ich denke, da wäre meinerseits noch viel mehr möglich. Ich habe einige Kollegen, die leben dafür. Und ich denke, dass jeder Einzelne für sich entscheiden darf, wieviel er/sie preisgeben und wieviel Zeit er/sie dafür aufbringen möchte und kann. Man darf nicht vergessen: Man erhält sich damit als Künstler ja nicht nur für Freunde und Fans „am Leben“, sondern auch für den einen oder anderen potenziellen Arbeitgeber.

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Natürlich sehr wichtig! Zum einen bestätigen sie, dass man schon irgendwas richtig macht und zum anderen spenden sie so viel Energie und Herzlichkeit und bestärken uns Künstler damit. Sie sind Mitgründer des Musicalbusiness und eine Produktion ohne Fans wäre nicht denkbar.

Warst du früher auch mal Fan von einer/m Musicaldarsteller/-in?
Ja! Und ich bin’s immer noch! Ich hatte auch schon die Ehre, mit ihr gemeinsam zu singen und zu spielen – Caroline Vasicek, eine Darstellerin mit einer unverkennbaren Stimme mit viel Seele, die mich auf der Bühne und menschlich berührt und von der ich mir vieles abschauen und für mich mitnehmen konnte. Also Caro – wenn du das liest – vielen Dank für deine Inspiration und positive Herangehensweise als Mensch und Künstlerin!

„Wir Musical-Fans“ sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Tanja Petrasek auf Facebook und Instagram.

Tanja Petrasek - Credits: Tanja Petrasek

Tanja Petrasek – Credits: Tanja Petrasek

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Wir Musical-Fans haben der Sopranistin Patricia Nessy ein paar Fragen gestellt.

Patricia Nessy wurde in Trier als Tochter zweier Opernsänger geboren, wuchs in der Nähe von Stuttgart auf und nahm schon während ihrer Schulzeit Tanz- und Gesangsunterricht bei ihrem Vater. Sie begann ihr Studium am Musical-Studio „Theater an der Wien“ unter der Leitung von Prof. Peter Weck und wechselte dann in die Klasse „Operette und Musical“ am Konservatorium der Stadt Wien, die sie 1990 mit Auszeichnung abschloss.

Patricia ist seit vielen Jahren erfolgreich in den bekannten und beliebten Operetten und Musicals zu sehen und begeistert mit einem Repertoire von über 50 Operetten- und Musicalrollen – u.a. als Elisabeth in „Elisabeth“, als Fantine in „Les Miserables“, als Lilli/Kate in „Kiss me Kate“, als Bettlerin in „Sweeney Todd“ oder als Aldonza/Dulzinea in „Der Mann von La Mancha“. 1993 gewann sie den 1. Preis beim Bundeswettbewerb „Gesang in Berlin“ und wurde 1997 für die Rolle der Mabel in „Piraten“ am Berliner Theater des Westens mit dem Kunstpreis Berlin ausgezeichnet.

„Die Vielseitigkeit ihrer Stimme ist etwas Besonderes, aus dem Rahmen Herausstechendes …“, schrieb die „Berliner Morgenpost“ 1993 über Patricia Nessy.

Neben Musicals und Operette ist Patricia auch mit eigenen Soloprogrammen – von Klassik bis Jazz – international unterwegs (von Carnegie Hall in New York bis zur Royal Albert Hall in London), leitete von 2009 bis 2012 den Wiener Operettensommer und ist Gesangslehrerin und Dozentin für Musikdramatische Darstellung. 2009 gab sie ihr Regie-Debüt und inszenierte „Wiener Blut“ beim Wiener Operettensommer im Theresianum. Danach folgten Inszenierung von „Wiener Blut“ für ein China Gastspiel, „Das Land des Lächelns“ beim Wiener Operettensommer und „Polnische Hochzeit“ am Theater an der Rott in Eggenfelden (Bayern).

2019 verkörperte Patricia Nessy die Herzogin Ludovika / Frau Wolf in der konzertanten Aufführung von „Elisabeth“ vor dem Schloss Schönbrunn und stand als Lily im Musical „Anastasia“ auf der Bühne.

Das Interview wurde im November 2019 geführt.

Patricia Nessy - Credits: Jan Potente

Patricia Nessy – Credits: Jan Potente

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattet du einen anderen Berufswunsch?

Ich wollte immer auf die Bühne.

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Musical- und Operettendarstellerin?

In der ersten Zeit waren die Herausforderungen eigentlich nicht sonderlich groß, ich bin nach meiner Ausbildung ziemlich schnell in das Metier hineingerutscht, eher wie von selbst. Die eigentliche Herausforderung kam eigentlich später, als ich mir schon einen Namen gemacht hatte und nicht in eine Schublade gesteckt werden wollte, sondern mir die Freiheit nahm zwischen Klassik und Musical zu wandeln. Das war Ende der 90er Anfang 2000 eher ungewöhnlich. Heutzutage wird es mittlerweile, gottseidank, als Qualität gesehen wenn man beides kann.

Was würdest du jemanden raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Man muss tun was einem sein Herz sagt. Das ist wie mit jedem anderen Beruf, man muss für das was man tut brennen. Allerdings ist durch die Globalisierung die Konkurrenz enorm stark geworden. Wo früher 30 für eine Rolle vorsingen waren, gehen heute 300 vorsingen. Deshalb würde ich jedem raten auch noch einen „Brotberuf“ zu erlernen

Du unterrichtest ja auch junge Musicaldarstellerinnen und gibst Masterclasses. Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Viel Talent, Biss, Fleiß, Ausdauer, Zuversicht und den unerschütterlichen Glauben an sich selbst.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Patricia steckt in jeder Rolle?

Es steckt alles von mir in einer Rolle, ich kann mich ja selbst nicht wegschalten. Wenn ich mich einem Charakter annähere, dann kann ich das ja nur mit meinem eigenen Verstand und Denken tun, also bleibt die Sichtweise immer irgendwie meine. In Rollen zu schlüpfen ist immer eine Entdeckungsreise in das eigene Ich, was nicht heißt, dass ich alles genauso machen würde oder sehe wie der Charakter das tut, aber ich habe meine eigenen Empfindungen und Standpunkte so durchleuchtet, analysiert und mit denen des Charakters abgeglichen, dass ich dann genau weiß, welche innere Haltung ich finden muss um den Charakter und sein Handeln glaubhaft darzustellen.

Patricia Nessy - Credits: Alexandra Yoana Alexandrova

Patricia Nessy – Credits: Alexandra Yoana Alexandrova

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Ja. Wenn man freischaffend ist auf jeden Fall! Werbung ist für uns Künstler unerlässlich und die sozialen Medien sind ja heutzutage fast schon das Werbe-Werkzeug Nummer 1. Ich stelle auch fest, dass bei den jungen Kollegen diejenigen eher zum Zug kommen, die viele Follower auf Instagramm haben, das finde ich allerdings eine sehr bedenkliche Entwicklung …

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musical- und Operettendarstellerin, aber auch als Regisseurin und Vocalcoach?

Also wenn man so lange im Geschäft ist wie ich, hat man sich schon einen Namen gemacht, und in der Branche wird man gekannt. Und wenn nicht, dann ist einfach auch die Vita überzeugend, wenn man sich wo bewirbt. Aber es ist natürlich wichtig immer am Ball zu bleiben und sich auf den Lorbeeren nicht auszuruhen. Es ist wichtig immer wieder in Erscheinung zu treten, sei es „in Realität“ als Person bei diversen Anlässen oder eben in den verschiedensten Medien. Networking heißt das Zauberwort und das ist leider auch eine Seite unseres Berufes, das muss man können und mögen …

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Also das ist ein sensibles Thema, das man differenziert betrachten muss. Grundsätzlich sind Fans natürlich etwas Schönes, sie geben einem Unterstützung, Lob und Anerkennung. Aber es muss in einem gewissen Maß bleiben. Wenn ich das Gefühl habe, dass jemand gar kein eigenes Leben hat und mit dem „Fansein“ etwas kompensiert, dann finde ich das bedenklich und es löst in mir ein Unwohlsein aus. Ich habe wirklich die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Fans gemacht, vom Stalker über „die dunkle Macht“ die tatsächlich Kriege untereinander ausgefochten haben, wer jetzt der bessere Darsteller/Darstellerin einer Rolle ist, bis hin zu ganz wunderbaren Fanclub-Abenden mit sehr interessierten und gebildeten Menschen, die innerhalb des Klubs auch gemeinsame Reisen zu Musicals unternehmen. Alles dabei. Ich habe Kollegen erlebt, deren Leben völlig leer ist neben dem Theaterspielen und die sich über Fans definieren und ihrerseits eine gewisse Leere in ihrem Leben mit der Liebe der Fans kompensieren. Also wie gesagt, ein sehr sensibles Thema …

Warst du früher auch mal Fan von einer/m Musicaldarsteller/-in?

Nein

WIR MUSICAL-FANS sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Patricia Nessy auf Instagram.

Patricia Nessy - Credits: Alexandra Yoana Alexandrova

Patricia Nessy – Credits: Alexandra Yoana Alexandrova

„Wir Musical-Fans“ haben der Musicaldarsteller Ulrike Figgener ein paar Fragen gestellt.

Ulrike Figgener wurde in Marl im Ruhrgebiet geboren und schloss 2013 ihr Musicalstudium in Wien ab. Während ihrer Ausbildung war sie als Iris in WENN ROSENBLÄTTER FALLEN, als Anna in LEBEN OHNE CHRIS, im Ensemble von AIDA und als Madame Aubert in TITANIC auf der Felsenbühne Staatz zu sehen.

Nach der Ausbildung folgten Engagements als Cover Belle in DIE SCHÖNE UND DAS BIEST, als Jennifer Gabriel in DIE HEXEN VON EASTWICK am Theater Bielefeld, als Women 1 in SONGS FOR A NEW WORLD (Wien), SUNSET BOULEVARD (Fürth/EU Tournee) und THE ROCKY HORROR SHOW (Magdeburg). Außerdem war sie u.a. als Betty Schäfer in SUNSET BOULEVARD, als Roxane in CYRANO und als Trix in HOCHZEIT MIT HINDERNISSEN am Theater Bielefeld zu sehen.

Im Frühjahr 2017 kreierte sie die Rolle der Sofie in SOFIES WELT beim Musicalfrühling Gmunden, sowie die Rolle der Prinzessin Jasmin in ALADDIN am Theater Baden. Dort war sie 2018 auch als Anne Dindon in EIN KÄFIG VOLLER NARREN und als Laluna in DER ZAUBERLEHRLING zu sehen.

Anfang 2019 kehrte sie für LAZARUS an das Theater Bielefeld zurück und war im Sommer wieder als Solistin mit Axel Törbers MUSICALNIGHT unterwegs. Die Saison 2019/2020 verbrachte Ulrike als Gesangssolistin im Showensemble auf der MS ARTANIA, segelte einmal um die Welt und kehrte im Herbst 2020 für die Rolle der Maid Marian in ROBIN HOOD wieder an die Bühne Baden zurück – diese Produktion musste coronabedingt aber leider abgesagt werden.

Das Interview wurde im Oktober 2020 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattet du einen anderen Berufswunsch?

Ich war mit 9 Jahren zum ersten Mal in einem Musical – „Starlight Express“ in Bochum. Seitdem war es um mich geschehen und ich habe mir gedacht, dass ich das auch machen möchte.

Etwas anderes kam für mich eigentlich nicht in Frage.

Du hast deine Musicalausbildung am Vienna Konservatorium mit Auszeichnung abgeschlossen. Was nimmst du aus deiner Ausbildung mit?

Zum einen, dass es harte Arbeit ist, sich jeden Tag seinen Schwächen zu stellen und daran zu arbeiten. Zum anderen, dass es das wunderschönste Gefühl ist, jeden Morgen aufzustehen und zu fühlen, dass es genau das Richtige ist, was man machen möchte.

Ich habe gelernt, dass es wichtig ist fokussiert zu sein, bei sich zu bleiben und sein Ziel zu verfolgen.

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darstellerin?

Also die Auditions waren und sind immer noch definitiv ein Teil davon.

Sich ständig beweisen zu müssen, sein Bestes zu zeigen, obwohl man vielleicht kaum geschlafen hat, weil man anreisen musste, die Nervosität die einen nicht so locker sein lässt, wie man vielleicht sein möchte. Da ist schon ein ordentlicher Druck dahinter.

Ulrike Figgener - Credits Christian Husar

Ulrike Figgener – Credits Christian Husar

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Also an erster Stelle denke ich, dass man dafür brennen muss, sonst schafft man es glaube ich nicht auf Dauer die negativen Seiten wegzustecken.

Disziplin und Ehrgeiz, um stetig an sich zu arbeiten, Durchhaltevermögen, einen starken Willen, Neugierde und Offenheit für die Arbeit, Kollegen, Stücke, Rollen, die Liebe zur Musik, eine Portion Selbstironie und Talent wäre vielleicht auch nicht schlecht ;-).

Musicaldarsteller vereinen ja den Mix aus Gesang, Schauspiel und Tanz. In welchem dieser drei Bereiche fühlst du dich am wohlsten?

Im Schauspiel und Gesang fühle ich mich am wohlsten, obwohl ich wahnsinnig gerne tanze.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Ulrike steckt in jeder Rolle?

Ich finde es immer spannend neue Rollen zu kreieren und zu gucken, was bewegt diesen Charakter, wo kommt er her, was treibt ihn an.

Ich denke aber in jeder Rolle steckt eine Portion Ulrike.

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Rollen mit großer  Entwicklung sind schon sehr spannend. Ob das eine Sally Bowles in Cabaret, eine Fanny in Funny Girl oder auch eine Janet in der Rocky Horror Show ist. Prinzipiell bin ich aber offen für Alles. Es gibt so viele tolle Rollen.

Ulrike Figgener - Credits: Gerhard Maly

Ulrike Figgener – Credits: Gerhard Maly

Wie entwickelst du dich als Musicaldarstellerin weiter? Nimmst du Gesangs-, Schauspiel- und Tanzunterricht oder besuchst du Workshops?

Alles :-). Für mich ist es immer spannend und wichtig neuen Input zu bekommen

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Uh, mein Lieblingsthema – ich denke es ist eine super Sache um sich mit andern Leuten zu verbinden, sich zu zeigen. Man kann damit viele Menschen erreichen, die man sonst nicht erreichen würde. Es ist aber auch sehr eindimensional und oft nicht authentisch. Leider denke ich, dass es mittlerweile notwendig ist, es zu haben. Wünschte aber es wäre nicht so.

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musicaldarstellerin?

Es ist ein sehr wichtiges Thema. Gerade in der heutigen Zeit, wo es so viele gibt, die diesen Beruf ausüben, muss man auf sich aufmerksam machen, um wahrgenommen zu werden.

Leider bin ich sehr schlecht darin. Wenn ich alle paar Monate etwas poste, ist das schon viel für mich. Es ist einfach nicht meine Welt.

Ulrike Figgener - Credits: Gerhard Maly

Ulrike Figgener – Credits: Gerhard Maly

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Fans sind unser Benzin. Wenn niemand kommt, würde es kein Theater geben.

Ich habe bis jetzt nur positive Erfahrungen gemacht.

Es ist schön die gleichen Menschen immer wieder zu sehen, zu sehen wie sie einen begleiten und auch wachsen sehen. Die Unterstützung ist toll.

Hast du einen Lieblingsfilm oder gibt´s mehrere Filme oder Genres, die du besonders magst?

Da gibt es mehrere aber generell mag ich eher dramatische Geschichten, wo es wirklich um etwas geht.

“Die Verurteilten” fällt mir z.B. gerade ein oder “Moonlight”, “Manchester by the Sea”.

Und welcher Song ist dein Lieblingssong?

Da gibt es auch sehr viele aber mein Gute Laune Song ist definitiv : “Im gonna be (500 miles) ” von The Proclaimers.

Wenn ich schlecht drauf bin, dreh ich den Laut auf, tanze wild durch die Wohnung und die Welt sieht gleich besser aus.

Was ist dein Lebensmotto und warum?

Ich denke, dass es wichtig ist auf sein Herz zu hören, sich selbst treu zu bleiben, das Leben auszuschöpfen und alles nicht zu ernst zu nehmen. Es gibt immer eine Lösung!

Wir Musical-Fans sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Ulrike Figgener auf www.ulrikefiggener.com und Instagram.

Ulrike Figgener - Credits Bettina Greslehner

Ulrike Figgener – Credits Bettina Greslehner

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Sabrina Weckerlin gehört zu den Top Stars der deutschsprachigen Musicalszene und wurde mehrfach als „beliebteste Darstellerin“ und „schönste Musicalstimme“ geehrt.

Bisher war sie u.a. zu sehen als Elphaba in „Wicked“, Kala in „Tarzan“, Natalie Goodman in „Next to normal“, Constance in „3 Musketiere“, Johanna/Johannes in „Die Päpstin“, Lucy in „Jekyll & Hyde“, Marry Cullen in „Der Medicus“, Orka in „Matterhorn“, Elisabeth in „Die Legende einer Heiligen“ und viele mehr.

Mit Broadway- und Popkomponist Frank Wildhorn nahm sie ihr erstes Album in NY auf und tourte mit ihm durch Japan, Russland und USA.

In „Die Eiskönigin 2“, dem erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten, lieh Sabrina Weckerlin der Königin Iduna ihre Stimme und in Hamburg begeisterte sie in der Hauptrolle Elsa in Disneys DIE EISKÖNIGIN das Publikum.

In ROBIN HOOD – das Musical stand Sabrina Weckerlin als Lady Marian auf der Bühne des Deutschen Theater München

2017, 2018/19 und 2025 war sie mit Disney in Concert auf Tour und spielte 2021 bis Herbst 2023 die Rolle der Elsa im Disney-Musical DIE EISKÖNIGIN Stage Theater an der Elbe in Hamburg.

2023 sang sie zusammen mit Alexander Klaws bei der Eröffnungsfeier der Special Olympics World Games beim Hissen der Special-Olympics-Fahne im Berliner Olympiastadion und bei der Abschlussfeier am Brandenburger Tor.

Sabrina Weckerlin ist Mitglied im Kuratorium der Deutschen Kinderkrebsnachsorge – Stiftung für das chronisch kranke Kind und im Kuratorium der Deutschen Stiftung für Menschen mit Downsyndrom.

Ab Herbst 2025 stand sie im Stage Operettenhaus in Hamburg als Anne Hathaway im Pop-Musical &JULIA auf der Bühne.

Wir Musical-Fans haben dem Musicaldarsteller, Schauspieler und Regisseur Carsten Lepper ein paar Fragen gestellt.

Carsten Lepper schloss seine Ausbildung als Diplom-Schauspieler an der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater in Saarbrücken ab und machte anschliessend eine Musicalausbildung als Vollstipendiat an der Stella Academy in Hamburg.

Nach Engagements am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken in Sigmunds Freude, Doktor Faustus Lichterloh und Eine Nacht im September und an der Freilichtbühne Coesfeld als Tony in der West Side Story, spielte Carsten in der deutschen Erstaufführung von Elisabeth in Essen die Rolle des Luigi Lucheni und erhielt dafür den Kritikpreis als bester Darsteller. Zuvor war er in den Schweizer Erstaufführungen als Alex in Aspects of love und Valentin in Kuss der Spinnenfrau zu sehen.

Es folgten u.a. Engagements in „Titanic“ am Theater Neue Flora in Hamburg, als Raoul in „Das Phantom der Oper“ am Stage Palladium Theater Stuttgart, als Claude in „Hair“ am Stadttheater Pforzheim, als Jack Favell in der Welturaufführung von „Rebecca“ am Raimundtheater in Wien, als Bäcker in „Into the Woods“ in Bozen, als Fernand Mondego in der Uraufführung von „Der Graf von Monte Christo“ am Theater St. Gallen, in der Österreichischen Erstaufführung von „Miss Saigon“ am Stadttheater Klagenfurt (als „Chris“ von der Musicalzeitschrift MUSICALS als einer der besten Darsteller des Jahres 2010/11 ausgezeichnet), als Tony in „West Side Story“ an der Oper Magdeburg, an der Oper Leipzig und am Theater Trier, als Judas in „Jesus Christ Superstar“ am Theater Hagen, als Lord Farquaad in der deutschsprachigen Erstaufführung von „Shrek“ in Düsseldorf und Berlin, als Regisseur Zach in „A Chorus Line“ am Theater Klagenfurt und als Sy in „Bodyguard“ im Musical Dome in Köln.

Bei „Der Graf von Monte Christo“ an der Freilichtbühne Tecklenburg übernahm Carsten auch die Co-Regie. In Wien führte Carsten die Regie bei Andrew Lloyd Webbers „Bleib noch bis zum Sonntag“ und bei „The Last Five Years“ von Jason Robert Brown.

Auch als Synchronstimme ist Carsten im Einsatz – u.a. in der Verfilmung von „Das Phantom der Oper“ als Raoul, als Sir Harry in „Once upon a mattres…Es war einmal auf einer Matratze“ und als Schurke Musicmeister in „Batman“.

Aspects of Love - u.a. mit Abla Alaoui, Alexander Sasanowitsch, Ulrich Allroggen, Wietske van Tongeren, Karin Seyfried - Credits: Christian Ariel Heredia

Aspects of Love – u.a. mit Abla Alaoui, Alexander Sasanowitsch, Ulrich Allroggen, Wietske van Tongeren, Karin Seyfried – Credits: Christian Ariel Heredia

Für „The Musical Showroom“ führte er Regie bei der Österreich Premiere von Andrew Lloyd Webbers Musical-Klassiker „Aspects of Love“ – mit Wietske van Tongeren, Karin Seyfried, Abla Alaoui, Ulrich Allroggen, Alexander Sasanowitsch, André Bauer, Jana Werner, Georg Prohazka, Alina Kölblinger und Paul Csitkovics.

Außerdem betreibt er die Künstleragentur BORN MANAGEMENT.

Das Interview wurde im Dezember 2019 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattet du einen anderen Berufswunsch?

Seit ich denken kann, wollte ich immer Schauspieler werden. Es gab keine Alternative. Mein Drang auf der Bühne zu stehen war als Kind schon enorm.

Was nimmst du von deiner Ausbildung an der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater in Saarbrücken und in der Stella Academy in Hamburg mit?

Meine Grundausbildung, meine Sprech- und Körperausbildung und natürlich das stetige Gesangstraining, um die Stimme für eine 8-Show-Woche fit zu halten.

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darsteller?

Ich lebte immer sehr diszipliniert. Keine Discobesuche, kein Alkohol, keine Drogen etc. Das war easy für mich. Das ich meine Freunde nicht sehen konnte wie ich wollte, war für mich eine sehr große Herausforderung. Dieser Job im Allgemeinen fordert sehr viele Opfer privater Natur. Aber der Dank des Publikums und die Reaktionen machen diese nicht einfachen Zeiten dann wieder erträglich und im Endeffekt auch sehr schön.

ELISABETH - Carsten Lepper - Credits: Stage Entertainment.

ELISABETH – Carsten Lepper – Credits: Stage Entertainment.

Was würdest du jemanden raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Ob Schauspieler, Sänger, Tänzer – egal in welcher der Stilrichtungen ein junger Mensch gehen will – ich rate grundsätzlich nie ab – aber ich spreche auch keine Empfehlung aus. Grundsätzlich gilt: Es gibt zu viele DarstellerInnen und zu wenige Arbeitsmöglichkeiten in diesem Gewerbe. Dem sollte man sich bewusst sein und immer daran denken, ein zweites Standbein aufzubauen.

Es muss ja nicht immer auf – es kann ja auch mal hinter, unter, vor oder über der Bühne sein. Das Theater bietet sehr viele Möglichkeiten sich auszutoben. Wenn man als reiner Darsteller 40 Jahre Berufsleben hinter sich hat und immer noch auf der Bühne steht  – das ist ein Privileg und sehr selten.

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Disziplin, Disziplin, Disziplin. Um im diesen Business bestehen zu wollen, ist es ratsam schon früh damit zu beginnen. Sich ausprobieren. Das Kind mit auf die Bühne zu nehmen.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Carsten steckt in jeder Rolle?

Ich versuche immer vor allen Dingen eines: Wo finde ich den Humor in der Rolle. Keine Figur ist nur gut oder böse. Eine Figur ist wie sie ist: Ein Mensch (oder manchmal auch Katze 🙂). Ein Mensch hat viele Facetten. Für mich ist der Humor an vorderster Stelle. Lucheni – als Beispiel – nur bösartig und gewalttätig darzustellen wäre extremst langweilig.

GRAND HOTEL - Carsten Lepper - Credits: Schlossfestspiele Ettlingen

GRAND HOTEL – Carsten Lepper – Credits: Schlossfestspiele Ettlingen

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Sicherlich interessieren mich Rollen wie ein Valjean oder Javert in Les Miserables. Ein Phantom wäre auch toll. Das sind alles Archetypen. Ecken und Kanten liegen mir. Ich glaube das liegt daran, dass ich da auch nicht immer „pflegeleicht“ bin und auch mal auf den Tisch haue bzw. mal klar meine Meinung sage. Dennoch sehe ich mich auch sehr in der kreativen Arbeit am Theater. Das ist ein Standbein welches ich ausbauen möchte.

Du bist auch als Synchronstimme im Einsatz. Wie ist das so einer Figur seine Stimme zu leihen, die man nicht selbst spielt?

Das ist eine sehr technische Angelegenheit. Du musst nicht an Deine Interpretation denken, sondern an die des Kollegen auf der Leinwand vor Dir. Die Emotionen kommen automatisch dazu. Das fällt mir dann leicht. Nur die Zeit in der Du Dich bewegst ist nicht „deine“ Zeit, sondern die Zeit des Regisseurs, der Partitur, der Darstellung im Film. Da hat man sehr wenig Freiraum. Aber auch da, habe ich mit den tollen Synchron-Regisseuren eine tolle Arbeit erlebt. Die sind wirklich Meister ihres Fachs.

Als ich den Raoul im Phantom synchronisiert habe wurde mir klar, wie schwierig es war „seinen“ Raoul abzulegen, den ich direkt davor in Stuttgart gespielt habe. Aber der Regisseur Andreas Hommelsheim von BlackBird-Synchron in Berlin hat mir erstmal Freiheiten gegeben und mich nach und nach auf den Track gebracht wo es hingehen sollte. Das war extremst genial.

Du bist auch als Regisseur tätig. Was fasziniert dich an dieser Aufgabe besonders?

Das ich gestalterisch-inhaltlich arbeiten kann. Es fasziniert mich, ein Stück vor sich liegen zu haben – und man ALLE Möglichkeiten hat. Angefangen von der Besetzung, über Bühnenbild, Gestaltung des Lichts, Staging etc. etc. Das ist fantastisch, weil man seine eigene Handschrift auf ein Blatt Papier schreibt und dann zum Leben erweckt, um es etwas pathetisch auszudrücken 🙂

Als Darsteller bist Du oftmals „Ausführer“ einer Idee eines anderen. Das ist auch OK – aber es fasziniert mich mehr diese 1.000 Bauteile selbst langsam zusammenzusetzen um zum Schluss sagen zu können: „Hey, es funktioniert. Das Puzzle ist komplett.“ Als Regisseur musst Du den Gesamtüberblick behalten.

Meine nächste wirklich große Aufgabe steht an. Wir haben vor kurzem von Andrew Lloyd Webber persönlich die Rechte zur Aufführung für die österreichische Erstaufführung von „ASPECTS OF LOVE“ bekommen. Darauf bin ich ein wenig stolz.

Aspects of Love - u.a. mit Karin Seyfried, Alexander Sasanowitsch, Wietske van Tongeren, Abla Alaoui, Ulrich Allroggen - Credits: Christian Ariel Heredia

Aspects of Love – u.a. mit Karin Seyfried, Alexander Sasanowitsch, Wietske van Tongeren, Abla Alaoui, Ulrich Allroggen – Credits: Christian Ariel Heredia

Wir spielen in einem sehr intimen Rahmen, genau das was das Stück verlangt, denn es ist ein Kammerstück. Ich bin als Regisseur dort tätig. Da bin ich gerade dabei mit meinem Team alles zu organisieren. Das wird eine wirklich spannende Sache und ich hoffe, dass die Zuschauer kommen.

Für mich schließt sich ein Kreis, denn ich habe selber die Rolle des Alex in der Schweizer Erstaufführung gespielt. Damals haben wir schon immer gesagt: Das Musical mal auf einer kleineren Bühne zu produzieren wäre erstrebenswert und toll. Ich wünsche mir sehr, dass die Zuschauer das Stück am Ende genauso lieben wie ich. Ich bin wirklich sehr verliebt in jeden einzelnen Charakter. Ich sag nur „Wer versteht was Liebe ist?“ … in dieser Frage steckt schon eine Menge drin – und es wird sicherlich sehr emotional.

Was möchtest du in 10 Jahren gerne machen? Bist du dann noch auf der Bühne oder machst du vielleicht einen komplett anderen Job?

Da dieser Job in einem stetigen Wandel ist, wäre ich sehr gerne weiterhin in diesem Job tätig. Gerne wäre ich als Regisseur oder Intendant unterwegs. Tolle Teams zusammenzustellen, die kreative und spannende Produktionen auf die Bühne bringen. Zwischendurch immer mal wieder als Darsteller – das wäre großartig.

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Das ist so ein Thema für mich 🙂 Grundsätzlich: Es ist nicht mehr wegzudenken.

Ich habe noch die Zeit völlig ohne das alles mitgemacht. Das ging auch. Die Zeiten waren ruhiger und nicht so schnelllebig. Dennoch – richtig eingesetzt – ist Social Media ein Mittel schnell mit Menschen in Verbindung zu treten oder – ganz praktisch als Darsteller gesprochen – um eine Theaterproduktion zu promoten. Den Zuschauern wissen lassen wo ich zu sehen bin.

Aber die Katzenvideos und Co. interessieren mich gar nicht. Das ist langweilig und fad. Da das zum Standard geworden ist sehe ich leider auch eine gewisse Abstumpfung in der Gesellschaft. Kriegsbilder folgen auf Hundevideos, esoterische Kalendersprüche auf getötete oder verstorbene Menschen. Das stumpft ab und lässt alles Geschehene irgendwie so „egal“ erscheinen. Das ist extremst schlecht für die Menschheit.

Auf der anderen Seite ergeben sich natürlich auch wieder tolle Möglichkeiten – ob auf künstlerischer oder auch politischer Natur. Demos gegen die Klimawandelpoltik, gegen korrupte Staatsregierungen etc. Da hat Facebook und Co. schon eine Menge politische Bewegungen angestoßen. Ich bin selber in Instagram und Facebook zu finden, versuche aber meine Aktivität auf rein berufliche Dinge zu beschränken.

REBECCA - Carsten Lepper - Credits: Rolf Bock

REBECCA – Carsten Lepper – Credits: Rolf Bock

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musicaldarsteller?

Ohne Marketing funktioniert gar nichts. Wenn der andere Mensch nicht weiß, wer ich bin oder was wann wo stattfindet – dann kommt er nicht und ich sitze im Theater alleine auf meiner Bühne und schaue in einen leeren Zuschauerraum. Für mich ist dieses Thema sehr wichtig, weil ich mich selber auch als eine Art „Produkt“ sehe.

Es gibt Menschen, die kommen hunderte oder tausende Kilometer gefahren, um eine bestimmte Theaterveranstaltung zu sehen, in der ich spiele. Das ist großartig und ich kommuniziere mit diesen Menschen auch immer wieder und gern.

Für mich ist ein geregeltes und gezieltes Selbstmarketing unabdingbar für diesen Beruf. Und das macht mir auch Spass. So zum Beispiel auch gerade dieses Interview was ich führe. Ich bin dankbar für diese Möglichkeiten und freue mich, dass sich Menschen für mich als Künstler und für das was ich tue interessieren.

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Ich hatte fast immer nur gute Erfahrungen. Vor allen Dingen bei den Großproduktionen stehen oftmals die gleichen Menschen vor der Bühnentür. Sie kommen, um mich zu sehen, um mit mir einen kleinen Plausch zu halten, um zu sagen, wie toll die Produktion war, die sie gerade gesehen haben. Das ist doch großartig!

Ich freue mich über diese Begegnungen und sie lassen dich als Künstler auch immer wieder ins Außen schauen. Du kommst aus dem Mikrokosmos „Künstler AG“ raus und auf andere Gedanken. Es ist schön positiven Zuspruch zu erhalten. Fans sind wichtig und sind die Brücke zwischen Bühne und Zuschauerraum.

Warst du früher auch mal Fan von einer/m Musicaldarsteller/-in?

Nein – ich bin erst mit dem Musical in Kontakt gekommen, während meiner Amateurtheaterzeit. Da stand ich dann selbst schon in ganz jungen Jahren auf der Bühne. Da ich auf dem Land aufgewachsen bin, es kein Internet gab, hatte ich keine Kontakte zu MusicaldarstellerInnen. Wenn ich heute nochmals ein Kind sein würde, wäre ich sicherlich Fan von so einigen DarstellerInnen und würde ihren Weg beobachten und mir die Beine in den Bauch stehen vor diversen Bühneneingängen.

Augen und Ohren offen halten – sich interessieren für andere Menschen – kreative Momente schaffen für die Zuschauer – das ist heute mein Hauptaugenmerk in meinem Beruf. Alles ist möglich in diesem Beruf. Das ist der Theaterzauber. Oder wie ich immer gerne sage: „Unmögliches wird sofort erledigt – Wunder dauern etwas länger“ 🙂

Danke für die tollen Fragen und Eure Zeit!

„Wir Musical-Fans“ sagen „Danke fürs Gespräch“.

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Carsten Lepper - Credits: Christian Ariel Heredia

Carsten Lepper – Credits: Christian Ariel Heredia

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Birgit Busse absolvierte ihr Musicalstudium an der „Joop van den Ende Academy“ in Hamburg. Nach ihrem Abschluss war sie u.a. engagiert im Altonaer Theaters Hamburg, im Musical „Buddy – Die Buddy Holly Story“ im Colosseum Theater in Essen, im Aalto Theater Essen und im Musiktheater im Revier Gelsenkirchen.

2016 schloss sie zusätzlich Ihr Bachelor-Studium des klassischen Gesang und der Gesangspädagogik an der Folkwang Universität der Künste in Essen ab und studiert seit 2016 nun den 2-fach Master „Musikwissenschaft – Konzert- und Musiktheaterdramaturgie“ und „Vokalausbildung“.

Birgit ist immer wieder bei Konzerten und Shows zu erleben, war einige Zeit mit dem „Original Krimidinner“ und verschiedenen „Musical-Dinnern“ deutschlandweit unterwegs und ging 2018 als Gesangssolistin auf die „Mein Schiff 5“ von Tui Cruises.

Zum Übergang ins Jahr 2020 war sie im Ensemble von „My fair lady“ in der Elbphilharmonie Hamburg zu sehen.

Das Interview wurde im Jänner 2020 geführt.

War es immer dein Ziel auf der Bühne zu stehen oder hattet du einen anderen Berufswunsch?

Eine lange Zeit dachte ich, ich würde Querflöte studieren und habe mich vor allem damit beschäftigt. Kurz bevor es dann aber soweit war sich zu bewerben, ist mir das Musical dazwischen gekommen und es war um mich geschehen. Ich hatte lange Zeit vorher zwar „Cats“ in Hamburg gesehen und fand großartig was die Menschen auf der Bühne so konnten. Aber so etwas auch zu machen war eher ein Traum wie man sagt: „ich werde mal Prinzessin wenn ich groß bin“. Als dann bei uns auf dem Gymnasium „Joseph“ aufgeführt wurde, habe ich erfahren, dass man das tatsächlich studieren kann und habe dann auch alles daran gesetzt das zu tun. Ich war also recht spät dran mich tatsächlich mit Gesang, Tanz und Schauspiel zu beschäftigen.

Du hast zusätzlich zur „Joop van den Ende Academy“ auch ein Gesangsstudium an der Folkwang Universität der Künste in Essen abgeschlossen und studierst aktuell auch noch Musikwissenschaft, Dramaturgie und Vokalausbildung. Was nimmst du aus dieser Fülle an Ausbildungen mit?

Ich habe einfach ein großes Interesse an allem was mit Theater & Musik zu tun hat. Und ich würde sagen alles was man gehört oder gelesen hat, erweitert den Horizont. Man hat eine größere Bandbreite und kann anders auf Stücke oder Rollen im Spezifischen schauen – andere Dinge und Hintergründe erkennen oder deuten, weil man vielleicht schon etwas über die Zeit oder den Komponisten gehört hat.

Rein stimmlich hat mich die klassische Ausbildung enorm weiter gebracht – auch für die Aufgaben die es im Musicaltheater zu bewältigen gibt. Das hat sowohl meine stimmtechnischen, aber natürlich auch stilistischen Möglichkeiten einfach enorm erweitert.

Ich finde es für mich grundsätzlich sehr wichtig immer weiter zu lernen und neue Impulse zu bekommen. So bleibt man offen für Neues und flexibel im Kopf.

Außerdem kann einem alles was man weiß nur weiterhelfen.

Und man weiß ja nie wann man etwas irgendwie, irgendwo, irgendwann einbringen kann. Und da ich ja auch Gesangspädagogin bin ist es für meine Schüler natürlich auch von Vorteil wenn ich alle Genres anbieten kann. So kann ich ganz flexibel auf die Wünsche der Schüler eingehen.

Durch das Masterstudium hatte ich auch die Chance hinter der Bühne zu arbeiten. Die Assistentin der Technischen Leitung in Schwäbisch Hall in den letzten drei Spielzeiten, war natürlich eine ordentliche, aber auch sehr spannende und definitiv lohnenden Herausforderung. Da hab noch einmal einen ganz anderen Blick auf das „Theatermachen“ bekommen.

Ehrlich gesagt bin ich auch schon wieder auf der Suche was ich als nächstes Lernen möchte. Ein paar Ideen gibt es schon.

Birgit Busse - Credits: Anne Brüssel

Birgit Busse – Credits: Anne Brüssel

Was waren für dich die größten Herausforderungen in deiner ersten Zeit als Darstellerin?

Absagen waren und sind eine große Herausforderung. Klar weiß man vorher, dass das Business hart ist, und dass es jede Menge Absagen geben wird, aber man ist trotzdem nicht wirklich darauf vorbereitet wie es sich dann in der Realität anfühlt.

Es gibt eben immer mal wieder die Zeiten, in denen es weniger läuft und man sich zwischenzeitlich vielleicht auch mal anders orientieren muss, um über die Runden zu kommen. Da dann nicht aufzugeben ist nicht einfach, gehört aber ebenso zum Job.

Hinfallen, Krone richten und weiter machen.

Was würdest du jemanden raten, der Musicaldarsteller/-in werden möchte? Eine gute Entscheidung oder lieber nochmals durchdenken?

Ja, eine gute Entscheidung. Wenn man wirklich bereit ist hart an sich zu arbeiten und das nicht nur vor und während der Ausbildung sondern eigentlich das ganze Berufsleben lang. Dann ist das eine tolle Ausbildung mit der man unglaublich vielseitig arbeiten kann.

Nehmt schon vor dem Studium Unterricht in allen Disziplinen und lasst euch Tipps geben. Und vor allem hört auf euch selbst. Wenn du dir sicher bist, dass das dein Job ist und du alles auf dich nehmen möchtest, um das zu erreichen dann mach das. Egal was andere dir sagen. Ich habe so vielen KollegInnen getroffen denen gesagt wurde das wird nichts. Jetzt stehen sie hauptberuflich als Darsteller auf der Bühne oder arbeiten vor der Kamera.

Was braucht man aus deiner Sicht, um im Musicalbusiness erfolgreich zu sein?

Ich glaube der Antwort zu dieser Frage bin ich gerade erst wieder auf der Spur. Nachdem ich längere Zeit ja nicht im Musical gearbeitet habe, stecke ich erst langsam meine Fühler wieder so richtig in das Business aus.

Ich glaube aber, dass vor allem harte Arbeit an der eigenen Künstlerpersönlichkeit sehr wichtig ist. Talent natürlich auch, aber das ist meiner Meinung nach eher ein kleinerer Teil.

Und manchmal hilft natürlich auch ein wenig Glück – zur richtigen Zeit am richtigen Ort und für genau diese Situation gut vorbereitet zu sein.

Birgit Busse - Credits: Anne Brüssel

Birgit Busse – Credits: Anne Brüssel

Musicaldarsteller vereinen ja den Mix aus Gesang, Schauspiel und Tanz. In welchem dieser drei Bereiche fühlst du dich am wohlsten?

Definitiv in Schauspiel und Gesang. Zwar hab ich mit beidem erst während meines Abiturs angefangen, aber ich finde beides unglaublich spannend.

Es gibt so viele Genres und Möglichkeiten die Stimme einzusetzen und die Stimme verändert sich ja auch ständig – auch hier hört das Lernen, Entdecken und Ausprobieren nie auf.

Trotzdem schaue ich aber auch immer, dass ich mich gut bewegen kann und ich mich tänzerisch auf jeden Fall fit halte.

Ich probiere viele Sportarten aus und nehme natürlich immer wieder Tanzunterricht.

Wie ist es so in Rollen zu schlüpfen? Wie viel Birgit steckt in jeder Rolle?

Es ist super spannend in verschiedene Rollen zu schlüpfen und dann vor allem im Zusammenspiel mit Kollegen heraus zu finden wo die Reise hingeht.

Natürlich mache ich mir im Vorhinein Gedanken was die Figur bewegt, wo sie herkommt, wo sie hinwill und all das. Daher ist in der Anlage klar auch immer etwas Birgit dabei.

Aber im Probenprozess versuche ich dann offen zu sein und zu schauen ob sich nicht vielleicht doch noch etwas ganz anderes entwickelt als ich vorher gedacht habe.

Welche Rollen würden dich zukünftig besonders interessieren und warum?

Elphaba steht ganz oben auf der Liste.

Die Rolle ist super spannend, die junge Frau die auf der Suche nach ihrem Weg ist und nicht so recht dazu gehört. Auch gesanglich ist das natürlich auch eine richtige Herausforderung.

Sonst würde ich sehr gern mal was von Sondheim oder Weill machen. Das zieht mich musikalisch sehr an und meine beiden Studiengänge würden sich da ganz gut ergänzen.

Natürlich gibt es noch Einges mehr was ich gerne spielen möchte oder wo ich gern arbeiten möchte.

Mal sehen was die Zukunft so bringt…

Was möchtest du in 10 Jahren gerne machen? Bist du dann eher auf der Bühne oder hinter der Bühne oder machst du vielleicht einen komplett anderen Job?

Ich entschiede mich ganz klar für Beides! Ich denke Theater wird auf jeden Fall immer aktuell für mich bleiben. Bei allem Suchen, das ich den letzten Jahren unternommen habe war das immer schon klar. Und tatsächlich glaube ich, dass ich sowohl auf der Bühne als auch dahinter arbeiten werde. Ich brauche viel Abwechslung und genieße das.

Und es gibt so viele spannende Berufe am Theater, da gibt es noch viel zu lernen und auszuprobieren.

Was hältst du von Social Media? Zwingend notwendig für eine/n Künstler/in?

Ich bin ehrlich gesagt eher schüchtern was Social Media angeht. Mir persönlich fällt es nicht so leicht Dinge zu posten, vor allem Privates. Aber wie ich gerade erst neulich auf einem wunderbaren Künstlerentwicklungs-Workshop in Düsseldorf erfahren habe, wird es tatsächlich immer wichtiger besonders für uns Künstler. Deshalb bin ich gerade auf der Suche nach meinen Weg und meinen Umgang mit Social Media.

Birgit Busse - Credits: Anne Brüssel

Birgit Busse – Credits: Anne Brüssel

Wie stehst du generell zum Thema „Vermarktung“ deiner Person? Wie wichtig ist Marketing und Kommunikation für dich als Musicaldarstellerin?

Ich glaube, wie gesagt, dass das immer wichtiger wird und man sich da schon auch beteiligen muss. Allerdings tu ich mich da ein bisschen schwer. Ich hab endlich eine Homepage und einen Instagram-Account aber viel mehr an Vermarktung hab ich bisher noch nicht in Angriff genommen. Mal sehen wo da die Reise noch hingeht.

Wie wichtig sind „Fans“ im Musicalbusiness und wie sind deine bisherigen Erfahrungen mit Fans?

Fans sind super wichtig für unser Business. Sie füllen die Theater und supporten uns Darsteller. Ohne das müssten wir ja gar nicht auf der Bühne stehen.

Ich habe bisher noch nicht so viele Erfahrungen mit Fans gesammelt – nur bei Buddy Holly damals in Essen am Colloseum gab es ein paar Fans. Es ist natürlich schön, wenn schon am Morgen vor einer Doppelshow liebe Menschen auf einen warten und man super schöne Briefe bekommt und so nette Worte hört. Das motiviert dann gleich noch mehr.

Warst du früher auch mal Fan von einer/m Musicaldarsteller/-in?

Ich war leider nie ein richtiger Fan. Bei uns in der Gegend gab es keine Musicals und ich bin tatsächlich eher auf den Beruf gestoßen, weil ich die Kombination von Gesang, Schauspiel und Tanz einfach großartig fand und mich nicht entscheiden wollte oder konnte.

Was ist dein Lebensmotto und warum?

Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube das variiert.

Ich weiß, dass ich mein Leben lang gern Lernen und so offen wie möglich für alles Neue und Andere bleiben möchte. Das ist auf jeden Fall ein Ziel und bestimmt gibt es da schon ein tolles Zitat dazu.

Aber ein Motto? Zur Zeit vielleicht:

„Never give up on something you really want. It’s difficult to wait but more difficult to regret…“ Oder das mit der Krone von weiter oben …

„Wir Musical-Fans“ sagen „Danke fürs Gespräch“.

Mehr zu Birgit Busse auf www.birgitbusse.de und Instagram.

Birgit Busse - Credits: Anne Brüssel

Birgit Busse – Credits: Anne Brüssel

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